Professor Who?

For not native German speakers, please scroll down for an English version of the interview.

elementalProfessor Elemental ist nicht nur ein Titan der Königsklasse des Hip Hop, sondern auch die Person Paul Alborough, die sich in ihrer Gemeinde sozial engagiert. Mit Hip Hop ohne Bling-Bling. Hier nun ein paar elementare Fragen an den Teezeremonienmeister, erstmalig in Deutsch. (Ein besonderer Dank an Kreadiv für die Hilfe bei der Übersetzung vom Posh in ein halbwegs angemessenes Deutsch. Hut ab vor Synchronarbeit!)

Hallo Professor, schön Sie zu sehen.

Hallo auch Ihnen. Danke vielmals, dass sie mich eingeladen haben. Es betrübt mich, noch nie in Deutschland gewesen zu sein.

Sie gelten als Erfinder des Chap Hop. War das eher ein Zufall oder waren Sie einfach unzufrieden mit dem modernen Hip Hop?

Nicht im Geringsten. Ich liebe Hip Hop und denke, er ist besser als je zuvor. Ich liebe all die erstaunlichen Variationen, die es da draussen gibt und dass Leute aus aller Welt ihre Eigenheiten miteinbringen. Britisch zu sein, das war mein Ansatz. Ich mochte Rap immer schon am meisten, wenn er sich nicht zu ernst nahm. Das „Chap Hop“-Ding war einfach nur ein glücklicher Zufall.

Professor Elemental ist keine reine Kunstfigur. Wieviel Paul Alborough sehen wir auf der Bühne?

Nun, Professor Elemental ist ich wenn er aufgeregt ist. Oder einen im Tee hat. Oder beides.

Sie erwähnen immer wieder ihre Hip Hop-Workshops für Kinder und Jugendliche. Was unterscheidet ihre von denen der Zulieferindustrie von „Britain’s Got Talent“ (die englische Version von „Das Supertalent“).

In jeder mir möglichen Hinsicht, nehme ich an. Die Workshops drehen sich weniger darum, Karriere als Rapper zu machen als mehr um den Aufbau von Selbstvertrauen und neue Dinge auszuprobieren. Es ist mir wichtig, dafür zu sorgen, dass es alle einmal versuchen, ob sie es nun wieder tun oder nicht. Es ist eine wunderbare Sache, den Kids die Gelegenheit und das Selbstvertrauen zu geben, sich vor einer Menge zu präsentieren.

Was ist ihre Philosophie ihrer Schule? „Sei ein Gentleman und duellier dich mit Worten!“? Wie Sie es mit ihrem Erzfeind Mr. B taten?

Nun, ich mag die Wortgefechte und sie sind Teil des Hip Hop, aber der kann weitaus mehr sein als das. Als ich jung war, hasste ich es es, das alle Songs von Liebe zu handeln schienen. Beim Rap hat man mehr Freiheit, den Dingen auf den Grund zu gehen. Und es ist überaus leicht, alberne Songs zu schreiben.

Es gibt im Deutschen keine Entsprechung zum politisch korrekten Begriff „special kids“. Könnten Sie ihr Klientel genauer beschreiben?

Wirklich? Das ist merkwürdig. Ich nehme an, die traditionelle Beschreibung wäre „Lernbehinderte“, also Kinder, die sich oft von Geburt an anders entwickelt haben, einen anderen Zugang zur Welt haben oder ein anderes Tempo.

Obwohl es nie eine offizielle Diagnose gab, wurde Asperger zur Ursache für das Sandy Hook-Massaker erklärt. Macht Sie das wütend?

Ja, da tut es, weil es so bequem ist. Sowohl in Amerika als auch im vereinigten Königreich gab es eine zunehmende Verunglimpfung von Menschen mit Behinderungen oder speziellen Bedürfnissen. Das ist furchtbar und überaus rückständig. Insbesondere eben diese Art von Menschen, die ich das Glück hatte zu unterrichten, hat oft keine Stimmgewalt, sie sind also leichte Beute für Presse und Regierung. Diesbezüglich existiert eine grosse Ignoranz.

Grossbritannien hat ziemlich strenge Gesetze und ein relativ entspanntes Verhältnis zu Schusswaffen, trotztdem ist Gewalt ein Problem. Ist das ein Import aus den Kolonien oder fehlt an eigenen Vorbildern? Prinz Harry wurde ja für die angebliche Tötung eines Taliban gefeiert…

Nun, ich vermute, Gewalt ist und war immer ein Problem. Aber ich denke, dass wir viel zu pessimistisch sind. Wir leben in einer Kultur, in der wir ängstlich vor allem um uns herum gemacht werden. Ich sage nicht, dass Gewalt nicht existiert und keine schrecklichen Dinge passieren, aber Nachrichten zu sehen kann einem das Gefühl geben, das wäre alles, was passiert. Gewaltverbrechen haben in den letzten 20 Jahren abgenommen, aber die Menschen sind furchtsamer denn je.
Potzblitz, ich bin ganz schön ernst geworden, nicht wahr? Üblicherweise plappere ich über Tassen von Tee und Gin daher. Wie auch immer, wo waren wir gerade?

Letzte Frage: Wie riecht Abenteuer?

Wie Sieg.

Professor Elemental, vielen Dank für dieses Interview.

Nicht doch, das Vergnügen war ganz auf meiner Seite.
Kommen Sie doch bald auf einen Sprung auf www.professorelemental.com für ein neuerliches Treffen vorbei.

***

English version of elemental questions:
Hello Professor, nice to meet you.

Hello there yourself. Thanks very much for having me over. It saddens me that I’ve never been to Germany.

You are considered as the inventor of Chap Hop. Was this more a coincidence or have you just been unsatisfied with modern Hip Hop?

Not at all, I love hip hop and think it’s in a better state than it’s ever been. I love the amazing variation that’s out there and that people from all over the world have their own take on it. Being British, this was just my angle on it really. I’ve always liked rap when it doesn’t take itself too seriously. The ‘chap hop’ thing was just a happy accident.

Professor Elemental is not a pure fictional character. How much Paul Alborough do we see on stage?

Well, Professor Elemental is me when excited. Or tipsy. Or both.

You frequently mention your Hip Hop workshops for kids. How do they differ from these of the supply industry of „Britain’s Got Talent“?

In every way i can possibly make them I suppose. The workshops are less about getting a career as a rapper and more about building confidence and trying new stuff. I really like making sure everyone gets to try it, whether they want to do it again or not. Giving kids the opportunity and confidence to show off in front of a crowd is a lovely thing.

What is the philosophy of your school? „Be a gentleman and duel with words?“? Like you did with your nemesis Mr. B?

Well, I like the battle side and it is a part of Hip Hop, but it can be broader than that. When I was a kid I used to hate that all songs seemed to be about love. With a rap, you have more freedom to talk about things in depth. Plus you can make silly, funny songs very easily.

In German, there is no equivalent for the political correct term „special kids“. Could you describe your patronage more detailed?

Really? That is odd. I suppose the tradional description would be ‘learning disabilities’, those children who, usually for reasons at birth, have delveloped differently and often access the world around them in a different way or at a different pace.

Even there never was an official diagnosis, Asperger got gave out as reason for the Sandy Hook massacre. Does this enrage you?

Yeah, it does because it’s so lazy. Both in America and the UK there has been an increasing vilification of people with disabilities or special needs, it’s horrible and very backward. Particularly in the case of the sorts of people that I was lucky enough to teach, those people often don’t have a strong voice, so are easy victims of the press and government. There is a lot of ignorance about.

Great Britain has rather strict laws and a relatively relaxed relation to guns, nevertheless violence is a problem. Is that an import from the colonies or does it lack of own models? Prince Harry got celebrated for the supposed killing of a Taliban…

Well I suppose violence is always a problem, and always has been, I do think we are way too pessimistic though. We live in a culture where we are made to be fearful of everything around us. I’m not saying violence doesn’t exist and terrible things don’t happen, but watching the news can make you feel like that is all that is happening. Violent crime has gone down over the last 20 years, but people are more fearful than ever.
Gosh, I have got very serious haven’t I? I usually just bang on about cups of tea and gin. Anyway, where were we?

Last question: How does adventure smell?

Like victory.

Professor Elemental, thank you very much for that interview.

No, thank you for having me sir.
Do pop along to www.professorelemental.com for another catch up soon.

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Über twixraider

Raider heißt jetzt Twix… sonst ändert sich nix, ich suche immer noch einen Job als Scherzkeks.
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2 Antworten zu Professor Who?

  1. twixraider thank you very much for that interview,-Ohne dieses wäre mir so was schönes entgangen „Father of Invention“ Da treibt mir altem Zappa-Fan schon der Titel tränen der Rührung in die Augen. „I’m British“ ist öh very British

    • twixraider schreibt:

      Bitte sehr. Der Dampfsprechgesang ist natürlich ein Meister aus Deutschland:

      Aber lassen wir den Tommies die kleine Freude, auch mal etwas erfunden zu haben.

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