Cash Mob

Im Fall Gustl Mollath bewegt sich was, nur in welche Richtung? Plötzlich wird medial zurückgerudert, sogar DER SPIEGEL relativiert, aus dem Skandal werden unglückliche Umstände. Oder besser gesagt, Beate Lakotta bricht erneut den Stab des Äskulap und verhöhnt seine Unterstützer. Das könnte man jetzt als typisch akademischen Mangel an Empathie bezeichnen, allerdings im falschen Ressort, Ferndiagnosen stehen nämlich auch dieser Beate nicht zu. Privat kann die gelernte Germanistin und Politikwissenschaftlerin ja publizieren was sie will oder auch in einer Frauenzeitschrift gute Tipps zu Monatshygiene und Liebeskummer ablassen, aber welches Genie lässt sie in der Wissenschaftsredaktion des SPIEGEL ausgerechnet über Medizin und Psychologie schreiben? Das is nix für Quereinsteiger, von einem Medizinjournalisten erwarte ich akademisches Fachwissen in Theorie und Praxis. Schon mal in der Klapsmühle gearbeitet? Eben, Klappe!

Wie auch immer, der Fall Mollath braucht neuen Schub jenseits der Lichterkette, frierende Menschen mit Kerzen kratzen Richter & Bänker nicht im geringsten. Warum nicht etwas Verrücktes anstellen? Z.B. die Aktion „Einer flog über die Hypobank“: Im Prinzip ist das Smail-Spam ohne Zweck und damit völlig legal. Dazu braucht man nur ein Blanko-Überweisungsträger (gibt es online als PDF-Formular), besser ist natürlich ein Original der Hypo. Auf jeden Fall muss bei Kreditinstitut die Münchner Zentrale rein, BLZ hier. Der Name des Empfängers und dessen Kontonummer bleiben der Fantasie überlassen, seine Bank und deren BLZ sollten tatsächlich existieren, aber nicht zusammenpassen, dieser Zahlendreher verdoppelt den Bearbeitungsaufwand. Beim Betrag gibt man das ein, was die Zwangsunterbringung Mollaths den Steuerzahler bisher gekostet hat, momentan 695147 €, die aktuelle Summe ist hier abrufbar. Beim Verwendungszweck gibt man „Schweigegeld“ als kleinsten gemeinsamen Nenner ein. Kontoinhaber und dessen Kontonummer sind wieder reine Fantasieprodukte. Das Ganze ausdrucken, in einen Umschlag damit und an die Hypo-Zentrale in München schicken (Adresse bitte selbst googeln). Was passiert jetzt? Dass es sich um eine sinnlose Zusendung handelt, ist von Aussen nicht sofort ersichtlich, also muss jeder Brief bearbeitet werden. Der Computer kann damit nichts anfangen, also muss ein Sachbearbeiter ran. Bis der erkannt hat, dass keines der Konten existiert, vergeht Zeit. Und die ist Geld, das schmerzt. Wenn viele Leute mitmachen, wächst sich das zu einem DoS aus. Nur dass eine Bombardierung mit echten Briefen ohne Sinn nicht illegal ist, anhand des Stempels lässt sich der Absender ohnehin nicht ermitteln. Wenn sich die Hypobänker durch sackweise falsche Überweisungsaufträge wühlen müssen, freut das nicht nur die Post, sondern auch die Medien, solche Aktionen sind für die wie Weihnachten und Ostern an einem Tag. Dieser Cash Mob kostet den Einzelnen nur etwas Druckertinte, einen Umschlag und 55 Cent Porto, das ist billiger als eine Lichterkettenkerze… wer sich zu gut für Spass-Guerilla ist, kann auch spenden.

PS: Ganz neu ist die Idee nicht, Erwin Pelzig hat schon vor einiger Zeit dazu geraten, möglichst viele und lange der berühmt-berüchtigten Beratungsgespräche mit Banken zu führen, aber nie etwas zu kaufen. Kurz: Ihre Zeit zu stehlen. Der Witz: Selbst wenn sie den Braten riechen, dürfen sie keine Gesprächsanfrage ablehnen, Service ist Service…

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Über twixraider

Raider heißt jetzt Twix… sonst ändert sich nix, ich suche immer noch einen Job als Scherzkeks.
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11 Antworten zu Cash Mob

  1. nextkabinett schreibt:

    D’accord in allem. Wissenschaftsjournalisten sollten in dem Themenkomplex, den sie beackern, theoretisch und praktisch geschult sein. Sehe ich genauso.

    Und ein Cash-Mob ist ein intelligente, feine Sache. Das sollte für’s nächste Jahr gezielt auf die To Do-Liste kommen.

    .

    • twixraider schreibt:

      Der Spiegel bzw. die Wissenschaftsredaktion hat sich schon den nächsten Hexenhammer geleistet, der Attentäter von Newton war angeblich ein Asperger, das hat Autisten wie Fachleute gehörig auf die Palme gebracht. Und dafür ist Augstein in den Knast gegangen, der rotiert in seinem Grab…

      • nextkabinett schreibt:

        Ja, diese Sache ist mir auch gehörig aufgestoßen. Ich hatte aber nicht den Nerv, das zu thematisieren. Zumal ich für ein diesbezügliches Buchprojekt eine Autorenbetreuung gemacht habe: Emma Wolff, Ein Leben mit Autismus – Die etwas andere Anthologie, Telescope-Verlag 2012.

        • nextkabinett schreibt:

          Also, genauer gesagt: Herausgeberinnenbetreuung, Projektplanung + Lektorat

          • twixraider schreibt:

            Na, dann bist du ja bestens qualifiziert, den Shitstorm am Laufen zu halten… Gedicht gefällig?

            In Hamburg steht ein Irrenhaus,
            da trägt man Augsteins Spiegel raus,
            denn Reflektion bringt keine Quote,
            wir gehen über Rufmordtote!

        • nextkabinett schreibt:

          Ach, da muss ich erst mal den Shitstorm verfolgen. Dazu habe ich eigentlich keine Energie. Dieses shitgestorme ist mir zu destruktiv. Lieber sind mir Aktionen wie Cash-Mob.

        • nextkabinett schreibt:

          Schaue gerade den Shitstorm auf SPON durch. Das einzig Gute daran ist, dass Emma Wolffs Buch dadurch mehr Aufmerksamkeit erhalten wird. Denn darin schreiben ja Menschen, die selbst Asperger haben. Na ja. Auch wenn mir nur zwei oder drei Texte darin gut gefallen, ist es ein sinnvolles Buchprojekt und es ist gut, dass Emma es gemacht hat. Zumal die Autoreneinnahmen dem Autismus-Zentrum in Kassel zugute kommen.

          • twixraider schreibt:

            Mit kurzen Kommentaren auf SPON richtet man nicht viel aus, aber im Web schlagen die Wellen auch blogtechnisch hoch, nach dem BILDBLOG wird sich sich auch ZAPP einschalten, beim Presserat sind auch schon Beschwerden eingegangen. Das Imperium schlägt zurück.

          • nextkabinett schreibt:

            Bildblog und ZAPP, das klingt schon anders. Wird wirklich Zeit, dass SPON auf die Finger geschaut wird.

          • twixraider schreibt:

            Die Zeiten für „sc“ sind schon vorüber, der SPIEGEL hat FOCUS im freien Fall überholt… die Gründung von stoersender.tv mitbekommen? Dit fetzt!

  2. nextkabinett schreibt:

    Reblogged this on Rund um den Kabinettstisch und kommentierte:
    D’accord in allem. Wissenschaftsjournalisten sollten in dem Themenkomplex, den sie beackern, theoretisch und praktisch geschult sein. Sehe ich genauso.

    Und ein Cash-Mob ist ein intelligente, feine Sache. Das sollte für’s nächste Jahr gezielt auf die To Do-Liste kommen.

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