Idioten ist nichts verboten!

Geht es nur mir so oder verblödet die Welt im Takt der Mikroprozessoren? Also nach dem mooreschen Gesetz, alle 20 Monate halbiert sich die Denkleistung, die Phones sind also längst smarter als ihre User. Im Amerikanischen spricht man dann von Pinheads:

Beispiel Nr.1 kommt wieder mal aus der Werbung. Die verkauft nicht nur für dumm, sie ist es selbst. Besonders, wenn sie originell sein will, da werden Konventionen übers Knie gebrochen. Möchte jemand hier begraben sein? Hier sind unter Kampagne bzw. Downloads noch mehr Geschmacksmuster. Genau, auf halbem Weg stehengeblieben, kein Beet im leckeren Mortadella-Look für einen Metzger plus den saukomischen Slogan „Tiere waren ihm Wurst“. Kinder, deutsche Friedhöfe sind nicht Graceland, diesen Kasperkram lässt kein Pfarrer zu, wenn er denn selbst noch halbwegs bei Verstand ist. Im Prinzip wurden hier einfach das Prinzip der sprechenden Särge in den Schrebergarten gepflanzt. Also afrikanische Lebensfreude im Tod auf deutsche Spiessigkeit im Leben, das geht nicht zusammen. Die Werbung wirkt makaber, ist dafür aber zu selektiv. Warum nicht auch ein Behinderter, der sein ganzes Leben sabbernd im Rollstuhl verbracht hat? Oder ein „sportlicher Fahrer“, der sich um einen Baum gewickelt hat? Das wäre ein fideler Friedhof, mein lieber Herr Gesangsverein. Nee, mit dieser Kampagne hat der BdF sogar die Metzgerei Mayer aus dem Feld geschlagen, bravo, bravi, bravissimo! Das wirklich Bedenkliche daran ist, das solche Fehlleistungen niemanden aufzufallen scheinen.

Beispiel Nr. 2 ist aus der Zeitung. Eigentlich geprahlt, dieses Blättchen wird auf zu 100% sinnfreiem Papier gedruckt. In der Ausgabe vom 20.05.2012 war auf Seite 3 ein listenreicher Artikel über Sexualverbrechen zu lesen, die statistischen Aussagen eines lokalen Profilers wurden dergestalt wiedergegeben: „Die meisten Taten würden von Einzeltätern begangen, Serientäter bildeten die Ausnahme.“. Der ABC-Schütze staunt, der Fachmann wundert sich und in Bad Hersfeld wird unterirdisch rotiert. Wer als Leser nicht gleich auf den Trichter kommt, braucht sich nicht zu schämen. Ein dazu noch professioneller Schreiber schon, ebensogut könnte er dem Stammkunden die Zielgruppe entgegensetzen. Zurück zum Wort des Verbrechens, „Einzeltäter“ beschreibt die Anzahl der bei einer Tat beteiligten Personen, nämlich einer = 1 x X. „Serientäter“ beschreibt hingegen die Anzahl der Wiederholungen einer Tat einer Person, also X x 1. Semantik hat auch mit Mathematik zu tun, Wortbedeutungen lassen sich in der Regel mit dem kleinen 1 x 1 ableiten. Nach dem krassen Sprachverständnis der SoPress wäre das Gegenteil vom Dauerlauf der Einlauf. Das ist weder Bedeutungswandel noch Kiezsprache, das ist einfach nur Tohuwabohu. Ein Menetekel (diesen Begriff musste ich letztens einem angeblichen Literatur- & Lyrikliebhaber erklären!) dieser geistigen Verwüstung stellte die Sketchreihe „Alles flasch!“ (auch bekannt als Tohu-Richtig-Valtsch-Quiz) der gleichnamigen wie legendär lustigen ORF-Sendung dar. Auch ich bin nicht ohne Fehl & Tadel, beim Casting für Jeopardy habe die Frage nach einem gasförmigen Narkosemittel mit „Äther“ statt „Chloroform“ beantwortet. Was aber nicht total daneben war, im Prinzip hätte ich auch für „Lachgas“ Punkte kriegen müssen. Und ich war in einer besonderen Stresssituation, frei nach dem Motto „Der Optimist hat die Hosen halbvoll!“, der Schreibtischtäter dagegen hatte wohl nur den üblichen Bürobetrieb (der bei 12 Seiten pro Woche nicht so wild sein kann) als Störfaktor. Und einen Lektor sowie einen Redakteur, der das Meisterwerk gegenliest. 3 x 0 = 0, wenn man solche seriellen Serienversager auf die Menschheit loslässt, muss man sich nicht wundern, das TV-Strassenquizzes immer weniger auf unfreiwillig komisch geschnitten werden müssen, richtige Antworten werden immer weniger. Ach ja, auf Seite 8 der oben verlinkten Ausgabe findet der sehende Schelm eine Freud’sche Fehlleistung vom Feinsten, Stichwort „Trainieren“ (= weinende Organe), so eine Produktdeplazierung passiert nicht einmal der Mutter aller Trottel. Wir denken nicht, wir googeln..

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Über twixraider

Raider heißt jetzt Twix… sonst ändert sich nix, ich suche immer noch einen Job als Scherzkeks.
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4 Antworten zu Idioten ist nichts verboten!

  1. zweitesselbst schreibt:

    haha Es lebe der Friedhof // das Video geht bei mir aber nicht (H)

  2. kreadiv schreibt:

    Ich würde den Wurschtzipfel „Strammer Max“ bevorzugen, wenn’s wieder mal a bissl mehr sei derf. Aber den gibt’s nicht mal bei den Bockensacks. Und dann pfeifen wir alle mit: http://www.youtube.com/watch?v=J_SfuYAGX50&feature=related

    • twixraider schreibt:

      Würde man den Spiess mit grossen Würsten umdrehen, fühlten sich die Gockel noch geschmeichelt. Besser wär die Mini-Geflügelsalami „Piephahn“, die Bratwürstchen „Hänschen Klein“ und die geräucherten „G’nußwurzerl“ für zwischendurch. Slogan wäre dann „Hausmannskost, aber besser als nix“, Model wäre ein haariger Schmerbauch in der angeschmuddelten Feinripp. Das gäbe ein Hallo, da würde Uli Hoeneß höchstselbst bei Werberat und Diskriminierungstelle Sturm klingeln.

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