Starker Tobak, Heavy Metal

Jeder redet über (bzw. feiert z.B. hier, da habe ich einen saftigen Kommentar hinterlassen, der wohl „zensiert“ wird) den falschen Design-Propheten Steve Jobs, keine Sau über seine Jünger, welche sind Legion. So höret denn dies Gleichnis: Weil mein bevorzugtes Zigarettenpapier (Marke der Red. bekannt) wieder mal ausverkauft war (kommt öfters vor), wich ich auf Anraten des Fachverkäufers an der Tanke auf ein Konkurrenzprodukt aus. Zuweilen benutze ich als 2.Wahl (1.Wahl ebenfalls der Red. bekannt) auch die Filter der Firma GIZEH, also warum nicht auch deren Papier, sogar die meisten anderen Marken-Marken schmecken nach Zeitung, die ein halbes Jahrhundert auf dem Dachboden gelegen hat. Nun wurde mir aber nicht ein Standard-Produkt als baugleicher Ersatz empfohlen, sondern eines aus der neuen Black-Linie. Da ging das Marketing schon los, der einprägsame Name ist Schall und Rauch bzw. bezieht sich natürlich auf nur die Farbe der Verpackung, das Papier ist selbstverständlich unschuldig weiss, lungenschwarz wäre ja nicht sonderlich verkaufsfördernd. Design und dessen Ausführung dieser Verbrauchsgutverpackung sind überaus edel, neben den poppigen Farben des Logos ist auch noch ein glanzschwarzes Punktraster auf den mattschwarzen Grund aufgedruckt, ein nicht ganz billiges Verfahren (welches der Verbraucher zahlt). Aber es kommt noch viel besser, der Schwachpunkt der Zigarettenpapierverpackung ist ihre Wiederverschliessbarkeit. Die meisten Marken besitzen diese nicht, nach dem Abreissen einer Lasche ist das Papier schutzlos Feuchtigkeit und/oder Verschmutzung ausgeliefert, denn der Deckel klafft bei loser Lagerung immer auf. Bei meiner Hausmarke gibt es eine Gummikordel, welche aber einen zusätzlichen Handgriff erfordert. Nun, diesen haben die Designgötter von GIZEH mit einem technischen Kniff überflüssig gemacht, die Verpackung besitzt einen Magnetverschluss! Quatsch? Wahrlich, ich sage euch, gehet hin und besuchet die Produkseite, auf dass euch die Augen aufgehen wie dem ungläubigen Thomas. So, jetzt lassen wir den visuellen Eindruck mal ein wenig im Gehirn spazieren gehen, vielleicht rührt sich da was. Z.B., dass das eine schier unglaubliche Verschwendung an Ressourcen ist. Wer zum Geier recycelt schon die Verpackungen von Zigarettenpapier? Nee, gelbe/r Tonne/Sack ist grundverkehrt, wenn gehört das ins Altpapier, aus welchem tatsächlich Altmetall (Heftklammern u.ä.) gefiltert wird. Aufgrund des dicken Drucks ist diese Verpackung eh kaum für Altpapier geeignet, das recycelte Ergebnis ist dunkel und besonders giftig, davon kriegt man Arschbackenkrebs. Der wahrscheinlichere Weg über den Restmüll geht in die Verbrennung, wo die Druckfarbe zu giftigen Abgasen verdampft und das Metall zu unbrauchbarer Schlacke verglüht, damit werden dann unsere Strassen unterfüttert. Also ist das Ganze sowohl öknomisch als auch ökologisch eine Riesensauerei. Was das mit Steve Jobs zu tun hat? Siehe, die Apple-Produkte sind aussen hui und innen pfui, aus Kostengründen werden mitunter hochgiftige Materialien verbaut. Streng genommen sind die Big Mac’s auch aussen pfui, so gab es mal sogar Beschwerden von orthodoxen Fans über das strenge Weichmacher-Aroma einer Tastatur. Die ist made in China, die Arbeiter gehen nach ihrem frühen Ableben wahrscheinlich gleich als Rohmaterial direkt in die dortige Plastinationsfabriken von Gunther von Hagens, die es offiziell gar nicht mehr gibt. Das führt uns zurück nach Ägypten, GIZEH macht nämlich auch in Plastik. Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff in allen Formen, sehr geschickt mit speziellen Proportionen, Winkeln und Kurven auf scheinbares Volumen designt. Das Auge täuscht die Hand, die Produkte sehen schwerer aus, als sie sind, das visuell gefühlte Gewicht ist höher als das tatsächliche. Dadurch und die vermeintliche Eleganz (die bionische ist immer maximal effektiv, Mutter Natur scheinbare verschwenderische Fülle ist in Wahrheit individuelle Perfektion) werden Mogelpackungen viel besser akzeptiert, weniger ist tatsächlich mehr. Dass durch die komplexen Formen mehr Material verbraucht (die meisten Polymerverbindungen lassen sich – wenn überhaupt! – nur sehr beschränkt recyceln) wird, ist dem Hersteller ziemlich Banane, der Kunde zahlt ja den Mehraufwand. Und jetzt auch noch Metall und Magneten in Zigarettenpapierverpackungen? In Zeiten, in denen Schrotthändler immer auch Hehler sind, die selbst vor Grabsteininschriften nicht halt machen, vor überall zusammengestohlenen Kabeln sowieso.  Ja, Metall ist knapp, China ist ein schier nimmersatter Erzfresser, bald könnten auch so banale Vertreter des Periodensystems wie Kupfer & Co. mit Gold gleichauf sein. Weil unsere Designer nicht besseres einfällt, als praktische, aber ökonomisch wie ökologisch völlig hirnrissige Dinge zu entwerfen, Hauptsache, alles ist Lifestyle. Ich mach jetzt die Papers leer, werf die Packung ins Altpapier und kauf den wörtlich todschicken Müll NIE WIEDER!

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Über twixraider

Raider heißt jetzt Twix… sonst ändert sich nix, ich suche immer noch einen Job als Scherzkeks.
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2 Antworten zu Starker Tobak, Heavy Metal

  1. kreadiv schreibt:

    Ich seh „da“ keinen Kommentar von Herrn Twixraider. Den fand man wohl nicht so gut…

    • twixraider schreibt:

      War doch klar… jemand, der den Apfelbutzen fleddert, will natürlich ebenso wenig Kritik hören wie die Firma selbst und übernimmt deren Medienpolitik.

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