Utøya-Updät

Ich habe mich hier über den Einsatz in Utøya ausgelassen. Inzwischen gibt es ein offizielles Einsatzprotokoll der Polizei bzw. der Spezialeinheit Delta Force. Ich und Chuck Norris sind immer noch nicht beeindruckt, „fantastisch“ ist anders. 1 1/2 Stunden für knapp 40 Kilometer, davon gerade mal ein halber zu Wasser, dazu die ganzen logistischen Pannen. Und der in der Sommerpause befindliche (macht das Böse Ferien?) Eurocopter EC 135 wäre in ca. 10 Minuten (reine Flugzeit) an Ort und Stelle gewesen, hätte aber max. nur 7 der 10 Superduperpolizisten Platz geboten, die sich beim Abseilen (es gab ja angeblich gar keine Landemöglichkeit, obwohl man hier mehrere Freiflächen sieht) auf die Füsse bzw. Finger getreten hätten. Warum hat man überhaupt auf die Delta Force gewartet? Taugt die normale, lokale Polizei nur für Knöllchen? Die norwegischen Streifen gehen zwar unbewaffnet, aber im Streifenwagen liegen immer Revolver in bereit, dito Schutzwesten, Helme und Schilde, der ganze Traraa. Eben für Notfälle wie diese. Und es wäre etwas verwunderlich, wenn es im Umkreis von 40 Kilometern nicht mehr als zwei Cops gäbe, immerhin befindet sich auf den Nachbarinsel ein exklusiver Golfklub. Die besseren Distanzwaffen der Delta Force waren ohnehin relativ witzlos, weil es auf dem Fliegenschiss Utøya kaum freies Schussfeld gibt. Es war auch schon bekannt, dass Breivik „nur“ eine Faustfeuerwaffe und ein Gewehr hatte. Zwei Revolver hätten es mit der Glock 17 (welche ein Werkzeug ist und kein Sportgerät) durchaus aufnehmen können (taktischer Vorteil der Überzahl), über das Gewehr schweigt sich die Polizei aus. „Halbautomatisches Schnellfeuergewehr“ ist Quatsch, entweder oder. Wenn Breivik tatsächlich eine AK47 gehabt hätte, hätte er sich nach seiner Ansprache nur zweimal (inkl. Magazinwechsel) im Kreis drehen müssen, um einen Bodycount von 69 zu erreichen, der Klassiker unter den Sturmgewehren rotzt auf Wunsch 600 Schuss in der Minute raus, die auf kurze Distanz auch zwei Personen hintereinander töten können. Hat er aber nicht, allen bisherigen Berichten hat er Einzelschüsse aus seiner grosskalibrigen Pistole abgefeuert. „Gross“ ist auch relativ, die Glock ist eine 9 mm, eine Elefantenbüchse hat 26,7 mm. Der Durchmesser eines Geschosses sagt auch noch nicht viel aus, ein stumpfes Projektil macht grosse Löcher, ein spitzes kleine. Die Standardmunition 9 x 19 mm ist ein Kompromiss und auf Mann-stop-Wirkung ausgelegt, hinter einem Baum oder einer etwas robusteren Tür ist man sicher. Ist ja auch egal, ein früheres Eingreifen hätte auf jeden Fall mehr Menschen gerettet. Zumal Breivik die Delta Force schon erwartet hat, sonst hätte er sich wohl nicht telefonisch ergeben. Denkt man das Ganze mal zu Ende, kommt man zu einer höchst unbequemen Möglichkeit: Breivik hat einfach weitergeballert, weil keiner kam, der ihn festgenommen hat. Er wollte ja ein Zeichen setzen, keinen neuen Rekord aufstellen. Unwahrscheinlich? Naja, mit seiner Bombe hätte er auch mehr als 8 Menschen töten können, Ort und Zeit waren nicht zufällig gewählt. Ich bleibe dabei, fantastisch ist anders, die Staatsgewalt hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Eher mit dem Blut „sinnloser“ Opfer.

PS: Auf Utøya gab es durchaus Sicherheitsmassnahmen. Dummerweise nur, wenn die Parteibonzen ihr Propagandaprogramm abgespult haben:

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Über twixraider

Raider heißt jetzt Twix… sonst ändert sich nix, ich suche immer noch einen Job als Scherzkeks.
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