Profilerneurose

Gelenktes Denken: Bei den Attentaten von Oslo und Utøya klingelte bei allen zuerst die Glocke des Islamismus. Dass ein Norweger wie du und ich dafür verantwortlich war, konnten viele erst nach mehreren Anläufen glauben. Und glauben es immer noch nicht richtig, sofort wurde Breivik als Irrer klassifiziert, weil er kein Mitglied einer Neonazi-Organisation war. Kein Bonus einer Gehirnwäsche und des Gruppenzwangs. Moment, im Umkehrschluss würde das bedeuten, dass braune nur verirrte Schafe sind und jeder Aussenseiter bzw. Einzelgänger tollwütig ist. Und es wird noch besser, jetzt sollen doch wieder die bösen Islamisten die wahren Schuldigen sein. Hier das fantastische Konstrukt: Erst das aggressive Verhalten der Islamisten hat den guten Norweger Breivik zu der brutalen Bestie gemacht haben, die er nun ist. Bravo, das ist genau die Argumentation des Attentäters selbst. Nicht die rechtsextremen Tendenzen in der norwegischen Gesellschaft (dito der Rest des Abendlandes) sind schuld, das Unheil kommt von Aussen und von denen, die es innen nicht bekämpfen. Die sozialdemokratischen, multikultigeblendeten Vaterlandsverräter sind die Haut auf den Fliegenpilzen, deren Gift den von Natur aus edlen Wikinger in einen Berserker verwandeln. Nur doof, das Breivik (trotz angeblichen Dopings mit Amphetaminen) kein tobender Axtschwinger war bzw, ist, sondern ein Henker mit Kalkkül. Er wusste genau, was er tat. Er hat seine Taten selbst als grausam bezeichnet. Breivik ist nicht psychotisch, er hat eine Überzeugung. Und ist damit nicht verrückter als all die Soldaten, die im Namen der Freiheit töten. Also wegen – wie es eine gewisse Kanzlerin von seiner Todesliste ausdrücken würde – „alternativloser Sachzwänge“. Die Frage ist nun, ist die Ideologie bei Breivik nur auf fruchtbaren Boden gefallen oder hat er sich ein passendes Ventil für seine natürliche Bosheit gesucht? Für derlei Gedankengut muss man übrigens nicht erst die unzähligen Thuleseiten aufsuchen, das schwirrt frei im Netz herum, für jedermann zugänglich. Auch hier, man möge sich nur die Top-Blogs bzw. -Posts auf WordPress zur Gemüte führen. Einer dies Blogpulisten hat gerade erst Trick 88 angewendet und einen judenkritischen Text von Martin Luther gepostet. Unkommentiert, versteht sich. Das haben seine vielen Fans übernommen, welche den mittelalterlichen Text 1:1 auf den Holocaust übertragen und uralte Klischees gedroschen haben. Doch wer steckt nun hinter den oft martialisch-pathetischen Usernamen? Menschen wie du und ich. Denn wir entwickeln uns zu einer Gesellschaft aus isolierten Individuen, eine Heerschar sozialer Zeitbomben. Bald gibt es DEN Deutschen oder Norweger nicht mehr, nur noch eine De-Mentalität aus dem Cyberspace. Soweit MEIN wirres Manifest, es müssen ja nicht immer 1516 Seiten sein…

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Über twixraider

Raider heißt jetzt Twix… sonst ändert sich nix, ich suche immer noch einen Job als Scherzkeks.
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17 Antworten zu Profilerneurose

  1. erinnye schreibt:

    Ich finde gut, was Du geschrieben hast und auch, daß du es geschrieben hast.
    Den Mathin-Luther-Text habe ich auch gesehen. Ich habe mich im Ernst schon gefragt, ob es richtig ist, in einem Blogsystem zu bloggen, das in diesem Ausmaß von Rechtsradikalen und Neonazis dominiert wird.

    • twixraider schreibt:

      Wer nicht bloggt, bloggt rechts? Kein Kilobyte den Faschisten? Die sind eben bauernschlau und verstecken sich nicht im digitalen Untergrund wie die Antifaschisten (die mir ebenso gestohlen bleiben können wie all die anderen fanatischen Dogmatiker). Da der Verfassungsschutz lieber – wenn überhaupt! – beobachtet und Daten sammelt (bis wieder einer durchdreht, den sie auf dem Radar hatten), muss man den Blogpulisten selber Paroli bieten, ihre Methoden analysieren und ihre Konstrukte zerlegen. Der Pferdefuss: Je mehr man sich mit diesen Spacken beschäftigt, desto mehr Klicks kassieren sie und damit scheinbare Popularität. Und man gerät selber auf den Radar. Was hier fehlt ist ein Button „Gefällt mir nicht, meinen Besuch nicht zählen und protokollieren!“.

  2. nextkabinett schreibt:

    @erinnye: Das ist eine gute Frage. Aber nochmal umziehen und wohin dann?

  3. nextkabinett schreibt:

    Ein guter Text, lieber Twix. Ich habe drüben bei FB einige halbwegs passabele Presseartikel genau zu diesem Thema gepostet, da gab es entschiedene Proteste. Man wolle sich nicht mit diesem kruden Täter auseinandersetzen, sondern lieber der Opfer gedenken und die Opfer in den Fokus stellen und nicht dem Täter soviel Raum geben. Das ist richtig – dennoch werden wir der Auseinandersetzung mit dem Attentäter und Massenmörder nicht entkommen können, wollen wir nicht Gefahr laufen, solchen weiter in die Hände zu laufen.

    • erinnye schreibt:

      Was ist FB?

      • nextkabinett schreibt:

        Liebe erinnye,
        für diese Frage nehme ich Dich hier in unsere Link-Kategorie ‚Blogs, die wir mögen‘ auf. Schau doch mal unter > Einstellungen > Sharing nach. Es ist das kleine ‚f‘.
        Ich sehe, Eure Artikel kann ich teilen. Das werde ich dann nach unserer Sommerpause auch sehr gerne tun.
        LG, die Social Secretary

        • erinnye schreibt:

          Liebes nextkabinett, jeden morgen schreibe ich mir ganz fett auf meine To Do Liste. erst mal denken, dann schreiben.
          Leider ist meine Handschrift nicht sehr leserlich. Was zu bedauerlichen Outings wie dem obigen führen kann.
          PS: Im Moment, als ich es schrieb, hatte ich wirklich geglaubt, es handele sich um ein wie auch immer geartetes Blog. Sozusagen eine Art Avalon des Bloggens, zu dem kleine gemeine Blogschabracken erst mit der Barke des Lichts gelangen können.
          Dass Dir unser Blog gefällt, freut mich natürlich.

      • twixraider schreibt:

        Die Interpretationen sind Legion, ich denke bei „FB“ z.B. an „Ferkelbeschwörung“, die hohe Kunst der ostfriesischen Fakire. Daraus könnte man einen hübsch albernen Poll nebst Assoziationssammlung basteln…

    • twixraider schreibt:

      Also aus dem Phänomen „feigbook“ bastel ich einen eigenen Blog… das gibt ein Foltern und ein Quälen! *händereib*

  4. Pingback: Blog des Germanys next Bundeskabinetts

  5. nextkabinett schreibt:

    PS.: Was spricht dagegen, wenn Du in Deinen Einstellungen unter Sharing die Share-Buttons für Twitter, FB, WordPress und +1 aktivieren würdest? Insbesondere WordPress, damit könnte ich Deine Artikel direkter im GnBK-Blog posten. Dies würde mir im GnBK die Arbeit extrem erleichtern und ich könnte Deine Artikel einfacher und schneller publizieren, was ja auch für Dich vorteilhaft wäre.

    LG und Danke dafür,
    die Social Secretary

    • twixraider schreibt:

      Stimmt, bei Namazu hab ich die Sharing-Optionen auch voll aufgedreht. Andererseits ist das ganze Sharing auch wieder so eine stumpfe One-Click-Sache, die hauptsächlich Datenmüll produziert. Von einem Bekannten kriege ich jetzt ständig Benachrichtigungen über Google+, obwohl ich da noch gar nicht bin. Dafür hat Google jetzt meine Büromailadresse, danke für Obst & Hundekuchen!

      • nextkabinett schreibt:

        Stumpfer Datenmüll ist sicher richtig. Aber in meinem Fall einfach arbeitserleichternd. Es ist halt ein Unterschied, ob ich einen Blogartikel erst mit HTML usw. schreiben muss oder mal schnell ’sharen‘ kann.
        Vor allem kann ich ihn direkt in WordPress als Kurzmitteilung teilen und damit geht er auch schon automatisch zu ‚f‘ und Twitter. Ich möchte Deine Artikel halt gerne lieber direkt im GnBK-Blog posten und nicht wie bisher extra bei ‚f‘ und Twitter. Lieber ist es mir, wenn die Sachen via GnBK-Blog in die Webwelt gepostet werden. Damit ist es wenigstens sinnvoller Datenmüll.
        Übrigens: Meinen Artikel zu AKB48 habe ich erstmal ‚privat‘ stellen müssen, weil dieser Artikel eine Flut an Spammails angezogen hat. Soviel zu Obst & Hundekuchen.

        • twixraider schreibt:

          Hmmm… welche Sorte Spam könnte AKB48 wohl anziehen?

          • nextkabinett schreibt:

            AKB48 ist immer gut für Viagra-Spam aller Art. Na klar. Aber ansonsten wirklich querbeet. Ich weiß da nicht, nach welchen Kriterien die Spammer vorgehen. Vielleicht auch schlichtweg nach dem Alphabet, Anfangsbuchstaben ‚A‘.

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