Rad ab 18

Was gibt es doch für arme, kranke Menschen, die solchen abartigen Schmutz wie diesen hier erfinden. Also im Prinzip ödet bzw. ekelt mich jede Art von Reinrausfilm ja tierisch an, aber dieses Konzept ist so drüber und lustig, da würde ich glatt ein Auge riskieren. Ich kann sogar die Philosophie dahinter nachvollziehen. Hierzulande gilt das Auto wie nirgends sonst als Sexsymbol, was aber ein ganz grosses Missverständniss ist. Das Auto ist ein Fetisch im Sinne von Projektion auf ein totes Ersatzobjekt. Wie viele Frauen können nur davon träumen, dass sie ihr Mann ebenso hingebungsvoll liebkost wie seine blecherne Geliebte? Nicht unbedingt mit heissem Wachs, aber gegen eine zärtliche Wäsche und eine sanfte Politur hätte wohl keine etwas einzuwenden, gerne auch am Sonntagmorgen. Und dann gibt es auch noch die Funktion des Ego-Upgrades, unzählige Herren der Schöpfung glauben an den Spruch „Wie der Wagen des Mannes…“. Selig sind die Armen in der Hose, denn nicht gerade wenige Frauen glauben das auch. Als ob Pferdestärken unter der Haube einen Hengst unter der Decke machen würden, völliger Mumpitz. Wer das nötig hat, betrachtet die körperliche Liebe ohnehin als Leistungssport, was für keine der beteiligten Parteien ein echter Spass ist, wo bleibt denn da bitte das Spiel? Dem Ganzen den Zylinder setzt es auf, wenn Frauen sich noch vor den Karren spannen lassen und sich auf dessen Motorhaube räkeln, es gibt absolut nicht lächerlicheres in der Werbung als diese halbnackten Kühlerfiguren. Kurzum, das Automobil ist nicht sexy, es macht auch nicht sexy. Und selbst die optionalen Liegesitze sind als Spielwiese überbewertet, da fallen mir doch auf Anhieb 1000 romantischere, spannendere und vor allem viel bequemere Orte ein. Es folgt eine kleine Verbraucherinformation:

Wie ungleich erotischer ist da hingegen der gute, alte Drahtesel. Das liegt allein schon daran, das er so physisch ist. Man kann einer Person nur durch einen Blick auf oder Griff an den verlängerten Rücken anmerken, wie sie sich bevorzugt fortbewegt. Schlaff = Autositz, stramm = Fahrradsattel. Wer strampelt, ist meist vitaler, attraktiver, nicht nur äusserlich. Radfahrer sind sinnlicher, weil sie eben nicht durch Blech und Glas von Umweltreizen isoliert sind, sie erleben ihre Welt ganz anders, sie sind auf Fühlen trainiert. Sie beherrschen ihren Körper, eine gute Motorik – grob und fein – ist bei ganz gewissen Verlustigungen enorm von Vorteil. Deren Bewegungsmuster ähneln sogar denen des Radfahrens, da geht es auf und ab und hin und her, es heisst nicht umsonst Balance-Akt. Was wohl auch der Grund dafür ist, warum Männer gerne im Windschatten ihrer Frauen fahren, da gibt es was zu sehen, aber nicht satt. Und natürlich auch zu riechen, der unvermeidliche Schweiss transportiert ja auch Lockstoffe. Wenn auf einem Ausflug der kleine Hunger kommt, kann man jederzeit querfeldein fahren. Jetzt gehen mir langsam die Argumente aus, aber die bisherigen sprechen für sich und das Konzept des BP: Lieben auf Rädern. Es muss ja nicht unbedingt gleich hardcore mit albernem Gummikram sein…

Advertisements

Über twixraider

Raider heißt jetzt Twix… sonst ändert sich nix, ich suche immer noch einen Job als Scherzkeks.
Dieser Beitrag wurde unter Wer es findet, muss es behalten! abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Rad ab 18

  1. kreadiv schreibt:

    Lieben auf Rädern?

    „Schatz, holst du schon mal das Rad aus dem Keller? Stell es doch heute mal in den Flur, ich zieh mich inzwischen schon aus…“ Man muss einfach Ideen haben, ich sag’s ja immer wieder. Da hat doch auch der Anfeuerungsruf „Gib Gummi“ eine ganz neue Bedeutung!

    Ich persönlich radle gerne weiterhin durch die Natur oder die Stadt, ganz ohne Fetisch 🙂

    • twixraider schreibt:

      Ich steh gerade etwas auf dem Schlauch… natürlich handelt es sich um ein nicht ganz ernst gemeintes, hochexotisches Kunstkonzept, der Fahrradfetisch (den es tatsächlich gibt, war auch schon Thema bei Domian!) wird eine erotische Nische bleiben, ein neues Pornofilm-Genre wird daraus nicht erwachsen. Hoffentlich, heutzutage wird ja jede Stilblüte der Subkultur vermarktet und zerstört.
      Also richtig gerne fahre ich nur in der Natur, in der Stadt muss man immer aufpassen. Bicicoitus interruptus, keine Reifenspur von Spass.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s