Schriftzeichen und Wunderkinder

Der Jugend von heute sind total verona? Sie kann vor lauter Gesimse und Getwitter nicht mehr richtig schreiben, weder orthographisch noch grammatisch, geschweige denn lyrisch? Und die kleinen Amerikaner sind ohnehin genetischer Sondermüll? Oder auch mal nicht:

(Taylor, 13 Jahre)

Also ich habe ein ganzes Legoland gestaunt, eine Göre aus the home of the barbarians schreibt eben mal so ein perfektes Haiku. Ja, Erbsen-Emil, es ist eher ein Senryu, aber der Verständlichkeit halber bleiben wir mal bei Haiku. Um die Qualität dieses Werks richtig einschätzen zu können, muss man wissen, dass es in den USA Tradion ist, dass sich Eltern und Kinder mit magnetischen Buchstaben Nachrichten am Kühlschrank hinterlassen. Man könnte auch Zettel oder eine Tafel nehmen, aber mit den bunten Lettern lernen die Kleinen leichter lesen und schreiben. Während die Botschaften der ABC-Schützen noch aus Unbeholfenheit unbeholfen sind, sind die Kurzmitteilungen der Erwachsenen aus Mangel an Buchstaben und besonders den lebensrettenden Satzzeichen gerne mal kryptisch bis irreführend. „KOMM WIR ESSEN OPA“ ist ein schönes Beispiel. Und dann gibt es da noch die Tradition, den Sinn der Kühlschrankkassiber mut- bis böswillig im Anagrammstil zu entstellen, da wird aus dem harmlosen Hinweis „MILCH IST ALLE“ der Mordauftrag „MACH ELI STILL“. Beobachten und begreifen kann das jedes Kind, nicht aber in Worte fassen, schon gar nicht in so wenige und treffende, von einer Umsetzung in das strenge Silbenmaß des Haiku und dessen Humor mal ganz zu schweigen. Ich versuche mich mal an einem Waka:

big job small girl
come and get your reward
fortune cookie

Bevor ich auch der gelernten Lektorin Kreadiv ihre Erbsen wegnehmen muss: „big“ statt „great“ bzw. „small“ statt „little“ ist hier halbvolle Absicht, die Doppeldeutigkeit („great job“ = „gute Arbeit“, „big job“ = „grosse/r Herausforderung/Auftrag“) der Glückskekse basiert meist nur auf einer unbeholfenen Übersetzung, siehe auch die so oft unfreiwillig komischen Bedienungsanleitungen made in China, Marke „Lost in tlanslation“. Ausserdem hätten sonst die Silben nicht gepasst. Wie auch immer, wer Kinder in dem Alter hat, denen sei Taylor als Beispiel zur Nachahmung wärmstens empfohlen. Bzw. ihre Eltern, die haben anscheinend was richtig gemacht, und das nicht nur bei der Zeugung…

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Über twixraider

Raider heißt jetzt Twix… sonst ändert sich nix, ich suche immer noch einen Job als Scherzkeks.
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10 Antworten zu Schriftzeichen und Wunderkinder

  1. der_emil schreibt:

    «Erbsen-Emil»?

    Das ist …

    Da bleibt mir doch …

    “Ich habe furchtbar schlecht geschlafen, mich deucht, ich wär am ganzen Körper grün und blau.”

    Na, aus welchem Märchen ist das?

  2. kreadiv schreibt:

    Ich bin mir sicher, HERNACH PULTE KOKS der Dichter.

    😉

    • der_emil schreibt:

      Ein Anagramm-Generator ermittelte:

      ACHSEL KERN KUH TOP / ACHSEL KOT PUNK REH / ACKER HEHL NOT SPUK / ACKER HEHL SPUK TON / ACKER HUHN POL SEKT / ACKER KUH LOHN PEST / AERSCHE KOHL PUNKT / AHLE CENT KORPS KUH / AHLE CHOR PUNK SEKT / AHLE HECK KORPS NUT / AHLE HECK KORPS TUN / AHLE HECK PUNK ROST / AHLE HUT KORN SPECK / AHLE KOCH PRUNK SET / AHLE KOCH PUNK REST / AHLE KORKEN PUTSCH / AHLE PHON RUCK SEKT / AHLE PUNK REH STOCK / AHORN HECK PEST ULK / AHORN HECK PULK SET / AHORN KUH LECK PEST / AHORN PECH SEKT ULK / AKNE CHLOR KUH PEST / AKNE ELCH HORT SPUK …

      Weitere Versuche folgten … aber AKNE CHLOR KUH PEST fand ich schon gut 😉

  3. „Das gelungene Haiku sagt nicht alles. Die Offenheit der Bilder, ihr Nachklang und der Verzicht des Verfassers auf Deutungen und Reflexionen, schaffen Raum für die Assoziationen des Lesers. Andeutungen und das Spiel mit Assoziationen sind auch in den meisten westlichen Gedichtformen wichtig, in vielen Haiku haben sie einen einzigartigen Stellenwert.“

    Das würde dagegen sprechen, das das ein Haiku ist. Erbsen Uwe wagt den zarten Hinweis, das Kühlschränke eher wenig mit Natur zu tun haben. Du meintest sicher Senseo und nicht Senryo. Andererseits fein beobachtet vom Barbarenkind das das Heiku immer auch eine kaligraphische Komponente hatte, und auch zügig parodiert wurde. Wahrscheinlich zwei Sekunden nach seiner Erfindung.

  4. Ihr seid aber heute alle unseriös! Sogar Emilia de la Fagiolostufato. Tz, Tz Nur ich rage wie immer als ein Turm des Ernstes aus der Brandung der Schnurrpfeiffereien, gleichsam wie der Hai aus der Kuh
    bin seriös ich
    Abhold surrealem tun.

    • twixraider schreibt:

      Individualismus? Kommt ja gar nicht in den Kühlschrank! Ein japanisches Spruchweistum über Erziehung sagt:

      „Ein Nagel, der hervorsteht, wird eingeschlagen.“

      Mich amüsiert am meisten, dass und wie ein Kindergedicht die kritischen Gemüter erhitzt. Weil es eben gar nicht so kindlich ist. Kindermund hat Narrenfreiheit, aber bitte niedlich bzw. kawaii (http://de.wikipedia.org/wiki/Kawaii). Wehe wenn nicht:

      „Dickie möchte uns ein schönes Gedicht aufsagen…“
      „Zicke, Zacke, Hühnerkacke!“

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