Der fliegende Holländer

Was Kreadiv kann, kann ich anders. The Story so far: Ich war noch offiziell Kind, aber eines mit geschickten Händen. Und die wollte ich an Elke legen, in die ich sooo verliebt war:


Sie stand nach tränenreich wiederholten Liebeserklärungen auch wie gewünscht unter dem Weihnachtsbaum, doch nach dem Entfernen des Geschenkpapiers war auch schon wieder Schluss mit der jungen Romanze. Mein alter Herr unselig verschwand allein mit Elke im Bastelkeller, Zutritt für Prinzen verboten. Was tat er ihr dort nur an? Durch das geriffelte Fenster in der Tür waren nur Schemen zu sehen, die gedämpften Laute klangen sehr beunruhigend. Die Feierabende und Wochenenden vergingen, endlich hatte das Warten ein Ende. Elke war fertig und wenigstens bereit zum Spiel. Unter strenger Aufsicht, versteht sich, die Frucht väterlicher Freizeit durfte keinen Kratzer abkriegen. Das Modell hatte aus Kostengründen auch keine Fernsteuerung, die Jungfernfahrt am Schnürchen im Rahmen eines veregneten Familienausflugs endete in einer Beinahe-Katastrophe. Gottseidank war der Sargasso-See flach, ein grösserer Prinz konnte sie „freiwillig“ in Unterhosen bergen. Danach staubte Elke erst in einem Regal vor sich hin, dann auf dem Dachboden. Den Motor habe ich später für einen selbstkonstruierten Lichteffekt recycelt, ihr quasi das Herz aus dem Leibe gerissen, ihre tote Hülle staubte weiter. Beim Entrümpeln wollte ich Elke dann ein für alle mal entsorgen, aber der Rettungsprinz wollte sie als Andenken an den inzwischen verblichenen Erbauer haben, dessen grässliches Ebenbild er ist. Deswegen konnte ich ihm seinen „Wunsch“ auch nicht abschlagen. Grosser Navigationsfehler, jetzt dümpelt Elke als Geisterschiff immer noch über die Untiefen meiner Seele, am Steuer steht mein Vater und erinnert mich blöde grinsend an all die vielen anderen „Zu klein, zu schwach“-Demütigungen ähnlicher Bauart (z.B. durfte ich etwas später mit meinen geburtstäglichen Rollerskates nur einen bestimmten Weg fahren, max. Aktionsradius 1 km, die Bevormundungen nahmen kein Ende). Der fliegende Holländer bin jetzt ich, aber als ewig bartloser Schiffsjunge auf dem eigenen Boot. So treibe ich dahin, ohne echte Aussicht auf den erlösenden Landgang. Denn gegen Gespenster kann man zwar meutern, aber wirklich töten kann man sie nicht. Vielleicht sollte ich die Urne meines Quälgeists ausgraben und seine verfluchte Asche  ins Meer streuen… und euch anschliessend für diese pathetische Blähung um Verzeihung bitten. Liegt am Kinderlabskaus, der war schlecht und fault böse gärend in meinen Eingeweiden. Hat jemand vielleicht eine Reiherfeder?

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Über twixraider

Raider heißt jetzt Twix… sonst ändert sich nix, ich suche immer noch einen Job als Scherzkeks.
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