Fuzzy Moral

Krieg und Katastrophen lassen gerade die gewohnten Dogmen verschwimmen, Links und Rechts scheinen im Kreis die Seiten zu wechseln, die Farbe der Moral oszilliert zu einem relativ grauen Quantenbrei. Was ist politisch korrekt und für wen und warum? Existiert Neutralität überhaupt? Wie stabil sind Prinzipien? Können Sachzwang und Gewissen eine Schnittmenge bilden? Ist ein fairer Kompromiss auch sinnvoll und umgekehrt? Ich habe einen älteren Zweizeiler wiederaufbereitet und angereichert, um das nicht selten absurde Dilemma von Mittel und Zweck in der Sprache zu zeigen:

Normal ist, bist du Pazifist
wenn bleifrei für dich super ist.
Doch Blei schützt auch vor dem Atom
schwimmst du gegen mit dem Strom?

Blei ist negativ besetzt, obwohl es in der Form einer Schürze vor Strahlung schützt. Für einen Öko-Fundamentalisten ist die Schürze aber ähnlich tödlich wie eine Kugel, weil die Schutzhülle früher oder später verrottet und das Blei die Umwelt vergiftet. Und der Sachzwang der Radioaktivität ist dazu noch hausgemacht, Teufel vs. Belzeebub. Für den orthodoxen Pazifisten gibt es auch keine gute Kugel, auch wenn diese die einzige Möglichkeit darstellt, eine andere Kugel zu stoppen. Er muss den Söldner guten Gewissens gewähren lassen, dessen Leben ist ja genauso wertvoll wie das des libyschen Rebellen, auf den dieser gerade anlegt. Je länger man darüber nachdenkt, desto tiefer zieht einen diese moralisch-logische Interferenz in den Strudel des Paradoxons. Totale Verwirrung, eine Wertung ist nicht mehr möglich. Ist das der Anfang vom Ende des Feindbilds? Oder schlagen wir einfach alle Spiegel kaputt, wenn die Reflektion nicht unseren Vorstellung entspricht, die uns – egal ob „wahr“ oder „falsch“ – Halt und Orientierung gibt, besser bekannt unter dem Namen „Glaube“?  Das 21. Jahrhundert beginnt langsam richtig interessant zu werden… was natürlich wiederum nichts über die gefühlte Qualität aussagt! Aber auch ein Königsweg ist in der Regel steil und steinig…

PS: Wer jetzt Xavier Naidoo anstimmt, kriegt eine geballert. Dieses Feindbild eines singenden Brechabführmittels ist für mich fundamental und ewig!

PPS: Gilt auch für Harald Lesch!

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Über twixraider

Raider heißt jetzt Twix… sonst ändert sich nix, ich suche immer noch einen Job als Scherzkeks.
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6 Antworten zu Fuzzy Moral

  1. der_emil schreibt:

    *summ*

    Dieser Weg — wird kein leichter sein …

    *duck*

  2. Michael Nicolai schreibt:

    Fraktale Logik ist meine Empfehlung: Es ist immer genau so, wie es früher schon nicht wahr. Ist jetzt zwar auch geklaut, aber ich halt mich ja auch nicht für was Besseres!
    Reite weiter, zart schmelzender Reiter!

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