Scheichwerbung

Regensburg jubelt und frohlockt, der Scheich kommt gleich. Soll heissen, am Freitag beehrt ein waschechter Wüstling die Domstadt. Und macht sich gleich mal so richtig beliebt, beim Pressetermin sind Fragen zum Königshaus oder Politik bei Rübe ab verrrrboten. Dabei ist (lufthol) Badr bin Saud bin Saad al Saud nur ein Prinz von vielen, Söhne bzw. Enkel hat man in Saudi-Arabien ja im Dutzend billiger. Ist ja auch praktischer, wenn der Thronfolger auf dumme, demokratische Gedanken kommt, wird er kurzerhand mit Schäufelchen und Eimerchen in die Wüste geschickt und ein konformeres Exemplar rückt nach. Badi ist so eines, obwohl er im wilden Westen irgendeinen kompletten Unfug studiert. Solchen gibt er auch gerne von sich, seiner Meinung nach verbietet der Islam (neben SMS seine einzige Freizeitlektüre) jegliches Sägen am Thron seitens des Volkes. Dogmatische Demokratie, Opa hat die ersten Wahlen in Saudi Arabien veranstaltet, nur ohne lästige Parteien. Na, wenn das kein Tischthema für Fürstin Gloria und Bischof Müller ist, da sind die doch gleich Feuer & Schwert und vergessen mal kurz, dass sie mit einem dreckigen Heiden reden. Andererseits scheinen die gar nicht geladen zu sein, bisher ist nur die Rede von einem Meet & Greet im Rathaus mit dem Bürgermeister. Bisschen mager, selbst für einen kurzen Städtetrip bezüglich Horizonterweiterung. Wäre es nicht malerisch, wenn Kamelreiter dem Prinz mit Peitschen den Weg durch die ungläubigen Gaffer bahnen würden? Badi könnte auch in der Fussgängerzone Gastrecht sprechen, ein Ladendieb findet sich schon. Ach ja, es gibt sogar ein Kulturseminar zum Thema, aber dummerweise ja erst im Juni… mal im Ernst, für Badi ist das eine echte Bildungsreise. Es studiert nämlich in New York „International Affairs & Organizational Behaviour“. Auf gut Deutsch, Händeschütteln in verschiedenen Sprachen, diese Uni ist eine Art Sonderschule für Adlige, die zu sonst nichts taugen. Immer schön repräsentativ sein und nichts sagen, das aber weltgewandt. Aal- bzw. ölglatt, an diesen Typen perlt alles ab. Und von echten Krisensituationen wird Badi eh abgeschirmt, die handverlesen Journalisten bekommen zum Maulkorb wahrscheinlich einen Fragenkatalog (Lieblingsessen, Lieblingsfarbe, Lieblingsmercedes), damit der Prinz sein edles Haupt nicht peinlich lange anstrengen muss. Da sind mir doch ganz offensichtliche Inzestunfälle wie unser Pinkel- & Prügelprinz noch lieber, das weiss man, was man hat… schönen guten Abend!

Update: Die Regensburger haben ihre Thermopylen gehalten, den Bericht zur erbitterten Schlacht findet ihr hier.

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Über twixraider

Raider heißt jetzt Twix… sonst ändert sich nix, ich suche immer noch einen Job als Scherzkeks.
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11 Antworten zu Scheichwerbung

  1. nextkabinett schreibt:

    Höchstes Kompliment für diesen fulminanten Artikel, bester Twix aus A. (keine Sorge, bei FB geht diese Randnotiz ohnehin unter).
    Tausend Dank für diese gehaltvollen Links, die Du zusammengetragen hast. Wo soll ich da beginnen?

    So ein Dienerdasein ist ja ohnehin schon was für latente Masochisten, die ihre Sexualität mittels ihrer Berufung sublimieren. Wage ich mal frech zu behaupten. Wenn so ein Dienerhascherl auch noch in die Fänge dieser sagenhaften orientalischen Märchenprinzen gerät, dann wird es natürlich zappenduster. Aber bleiben wir sachlich. Ein in einem exklusiven very expensiven britischen Boot Camp For Butlers ausgebildeter Butler wird sich wohl kaum für die mörderischen Sadosexspiele eines Sadoprinzen hergeben. Wir wissen ja, was dieser Diener eigentlich war. So oder so ist es ein echtes Zeichen, dass dieser Dreckskerl verurteilt wurde. Auch wenn wir weiter wissen, dass er seine Strafe niemals absitzen muss. Natürlich darf er offiziell niemals seine Homosexualität zugeben, denn darauf stehen dahoam in ja Peitschenhiebe oder gar die Todesstrafe. Und ausgepeitscht mag der Prinz nun wirklich nicht werden, denn lieber sollen doch seine Lustknaben die Schmerzen an seiner Stelle erleiden.

  2. nextkabinett schreibt:

    … neues Thema, neuer Kommentar.

    >b>Interkulturelles Training Saudi-Arabien: Erfolgreich und kompetent in Saudi-Arabien
    Tja, wo Japan-Lummerland jetzt ist abgebrannt. Sorry, schlechter Scherz, sollte auch keiner sein. Interkulturelles Training für China und Indien ist doch auch schwer in Mode. Fehlt nur noch Brasilien, dann hätten wir die Top-Länder von übermorgen alle beisammen.

    Regensburg kenne ich ein wenig. Abgesehen von der wirklich schönen Stadt muss es schon ein Gräuel sein, Fürstin Gloria und Bischof Müller als Nachbarn zu haben. Allein dieser unsägliche Dom. Innen vollgestopft mit barockem Plunder der hässlicheren Sorte. Aber gut, das ist ein anderes Thema.

    Studium der Händeschüttelei in verschiedenen Sprachen in New York auf einer „Art Sonderschule für Adlige, die zu sonst nichts taugen.“ … dies scheint das Gegenstück zu den Butler Boot Camps zu sein. Alles in bester hegelscher Ordnung. Herr und Knecht erhalten jeweils die ihnen zeitgemäße Ausbildung. Und so ein Märchenprinz x-ter Ordnung rauscht dann in ein anderes betuliches bayerisches Kaff ein und alle glotzen und staunen über des Prinzens neue Kleider … und weit und breit keine Gänseliesel in Sicht, die man verhöken könnte … Wir werden diese meschuggene Adelssehnsucht weiter beobachten müssen …

    Und die Händler erhalten exklusive Nachhilfe, damit sie in den orientalischen Basaren möglichst gute Deals abwickeln. Es gruselt mich bei alledem. …

  3. nextkabinett schreibt:

    PS.: Eins Zwei Drei … treffende Wahl … einer meiner absoluten Lieblingsfilme ever …

  4. twixraider schreibt:

    Ach du meine Güte, Reply-Overkill… Hmm, selbst in solch strengen Feudalgesellschaften sind (Leib)Diener nicht unbedingt masochistisch, submissiv oder devot veranlagt. Eigentlich ist das sogar eine relativ attraktive Position, einen höheren sozialen Status kann ein kleiner Unadliger gar nicht erreichen. Und nicht alle Herren sind willkürliche Sadisten, schliesslich ist der Diener ein vertrauter Freund im endlosen Erbfolgekrieg, den hält man sich besser warm. Apropos, Saud Bin Abdulasis Bin Nasir el Saud hat wohl seiner fatale Neigung in Sadismus Ausdruck verliehen, da er ja selbst ein Unberührbarer ist, ein repressives Millieu erzeugt bekanntlich aggressives Verhalten. Deshalb hat auch das Königshaus keinen Finger krumm gemacht, um ihn zu retten. Bei einem Heten-Prinz hätten sie sofort auf diplomatische Immunität plädiert und Öldruck ausgeübt. Jetzt hat man den Saudis die Entsorgung diese rosa Schafs abgenommen und auch noch den Beweis geliefert, dass schwul schlecht ist… das wäre so eine unerwünschte Frage bei der Presseaudienz mit Badr bin Saud bin Saad al Saud, da würde ihm der Arsch aber gewaltig auf Grundsand gehen

  5. nextkabinett schreibt:

    Ja, das sehe ich alles ein, was Du in die Waagschale wirfst. Der Zusammenhang zwischen repressivem Milieu und aggressivem Verhalten ist evident. Auch die Kompensation der eigenen unterdrückten Sexualität … Gewiss sieht die hegel’sche Herr-Knecht-Dialektik auch den Genuss des Knechtes vor, der im Geheimen die Bedürftigkeit des Herrn genießt.
    Und ein kluger (Feudal)Herr umsorgt seinen Diener, weil dieser ihm Vertrauter und Freund sein kann.
    Dies ist alles richtig. Ich ahne auch, dass Butler eine attraktive berufliche Position sein kann, indes hege ich seit eh und je – auch biografisch intendiert – eine wohlbegründete Abneigung gegen jegliche Form des Dienerdaseins. Tut mir leid, hier lasse ich nicht mit mir reden. Wer das sein möchte, bitte sehr. Gleichwohl finde ich es auffallend, dass das Dienern wieder in Mode zu kommen scheint.

    • twixraider schreibt:

      Ach was, am Dienen ist prinzipiell nichts auszusetzen, auch nicht an der vielbeschworenen Dienstleistungsgesellschaft. Was zählt, sind bilaterale Demut und Respekt, unabhängig vom Autoritätsgefälle. Daran hapert es, die sog. Diener des Volkes geben einen Scheiss auf unser Wohl. Angela, komm Popoputzen! Die neofeudalen Verhältnisse werden übrigens gerade im Kino aufgearbeitet:

      http://www.filmstarts.de/kritiken/180360.html

      Zur Neutralisation empfehle ich den hier:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Secretary

      Hier trifft sich das Angenehme mit dem Nützlichen. Das muss man aber wollen UND können. Mit anderen Worten: So manchem Chef würde ein Kurs „BDSM für Dummies“ helfen, seine dienstbaren Geister BESSER zu behandeln.

  6. Sieht der Bürger einen Scheich
    Wird ihm gleich die Birne weich.
    Ist der Bürger dann noch Churnalist entsteigt seinem Demokratieverdruss »ein Prinz wie aus 1001 Nacht: Akkurate Frisur, makellose Figur und Gesichtszüge, perfekt sitzender dunkler Anzug ideal kombiniert mit einer jugendlich-frischen Krawatte und Lederschuhen.« Sozusagen ganz der Gutti.

    Der Bürger wird doch noch mal träumen dürfen! Oh wie schön wäre es doch gewesen, hätte Thomas Spanhel schreiben können: Und die Entsendung von Truppen aus Saudi-Arabien nach Deutschland begrüßt er ausdrücklich, damit der dortige Ex-Verteidigungsminister unterstützt wird: „Da wurden einige wenige Akademiker von Linken aufgewiegelt, um der Regierung zu schaden. Mit den Truppen wird sich die Lage schnell beruhigen.“

  7. twixraider schreibt:

    Das würde dir so passen, du alter Pascha… dass nackich nicht immer ein angemessenes Demo-Outfit ist, hatten wir doch schon mal:

    https://twixraider.wordpress.com/2011/02/02/crash-protest-dummies/

    Passsend wäre, wenn die lokale Belly Dance-Posse mitprotestieren würde, statt diesen Teil der arabischen Kultur immer nur ins Märchenhafte zu verklären. Bauchtanz ist nämlich ein Beruf, pures Showbiz im 1000 & 1 Nachtleben. Und körperliche Schwerstarbeit dazu, die meisten gelangweilten Hausfrauen geben schnell wieder auf, wenn sie merken, wie hart das Training ist. Dass die Freiheit der Frauen bei der Berufswahl in vielen Morgenländern noch stark beschränkt ist, kommt noch dazu.

  8. Pingback: Noch heute speisen wir in der Wurstkuchl! |

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