Ghostwriter für F. J. Wagner

Liebe Technokraten,

seit fast genau 60 Jahren beschwört ihr nun schon die atomare Midgardschlange. Mal mit leisen, mal mit lauten Flötentönen, je nach dem wie die ängstlichen Grünbauch-Unken rufen. Seit dem 11. März dieses Jahres schreien sie. Und was macht ihr? Ihr übertönt sie mit einem Vuvuzela-Orchester. Den Beschwichtigungen folgten Beschimpfungen, man solle doch gefälligst zuerst seinen Ingenieur oder Doktor in Physik machen, bevor man sein Maul aufreisst. Die Berichterstattung der Medien und Kommentare der Bürger wären unseriös und hysterisch, so eure Ferndiagnose via Röntgenblick zu Fukushima. „Japan ist nicht die Sowietunion“ polterte ein liberales Institut am 14. März, ein Super-GAU sei nicht zu erwarten, von einem GAU könnte auch nicht die Rede sein. Alles halb so wild, alles unter Kontrolle. Als ob ein Auslegungsstörfall nicht schon schlim genug wäre, damit ist das Restrisiko ja schon eingetreten. Und jetzt geben Regierung und Betreiber kleinlaut zu, dass in Fukushima von Kontrolle nicht die Rede sein kann, der weitere Verlauf sei unvorhersehbar. Fest steht nur, das die zerstörten Blöcke noch für lange Zeit Sorgenkinder bleiben werden. Selbst wenn das Material im Reaktor und in den Becken normal abklingen würde, wäre erst in Jahren an einen Rückbau zu denken. Aber so? Deckel drauf und immer wieder flicken, weil der ja auch verfällt. Genau wie in Tschernobyl, wo seit 25 Jahren Löcher gestopft werden. Ach ja, dort hat man die verbliebenen Blöcke noch bis zum Jahr 2000 laufen lassen, obwohl die Strahlenbelastung in der „Zone“ ja immer noch gesundheitsschädlich war und ist, den Stand der Dinge findet man hier. Kurz: Die Blöcke 1 – 3 sind nach 10 Jahren immer noch nicht vollständig demontiert, Block 4 braucht einen Sarkophag für den Sarkophag. Eine Pyramide des Fortschritts inklusive Fluch des Pharao, davon haben noch Generationen was. Und selbst wenn Fukushima nicht ganz so schlimm werden sollte, es wird ähnlich nachhaltig. Die Japaner haben lange auf euch gehört, jetzt erwachen sie umso unsanfter. Sie erleben eure Kurzsichtigkeit nämlich gerade am eigenen Leib. Besucht sie doch und erzählt ihnen ganz sachlich und wissenschaftlich fundiert, dass sie in nur 10.000 Jahren oder so wieder in ihre Heimat zurückkehren können. Auf die Antwort bin ich ja mal gespannt…

Herzlichst,

Twix Raider

PS: FJW tut sich hier lieber selber leid.

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Über twixraider

Raider heißt jetzt Twix… sonst ändert sich nix, ich suche immer noch einen Job als Scherzkeks.
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4 Antworten zu Ghostwriter für F. J. Wagner

  1. nextkabinett schreibt:

    Hast Du davon schon was gehört? Super Erfindung gegen Super GAU

    Ich weiß gar nicht, was ich davon halten soll??? Und was geschieht dann mit DIESEN kontaminierten chemischen Stoffen??? Treiben wir so den Teufel mit dem Beelzebub aus???

    • twixraider schreibt:

      Gift und Gegengift, das kleinere Übel wird bevorzugt, in diesem Falle saurer statt strahlender Regen. Ich finde die Idee gar nicht so übel, die Machbarkeit steht auf einem anderen Blatt Löschpapier. Der Haken ist die Argumentation der Technokraten: „Mit diesem Gegenmittel haben wir das Restrisiko auf einen Minimum reduziert und können ergo fröhlich weitermachen!“. Tepco überlegt ja schon, die halbwegs funktionstüchtigen Blöcke wieder hochzufahren.

  2. nextkabinett schreibt:

    Ach ja, folgenden heutigen Dialog noch zum Selbstmitleid der F. J. Wagners dieser Republik:

     
    N.N. (ich habe der Person versprochen, ihren Namen bei WP nicht zu nennen, weil sie als Freelancerin Angst hat, von potentiellen Brot & Buttergebern keine Jobs mehr zu kriegen. Wir bei Germanys next Bundeskabinett wissen wer gemeint ist, war sie doch die Frau der ersten Stunde …):

    ‎… bestimmt gibt es auch DAGEGEN Argumente, aber es spricht viel dafür …
    S.P.O.N. – Die Mensch-Maschine: Die Dagegenöffentlichkeit – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Netzwelt
    http://www.spiegel.de
    Im Netz engagiert man sich gegen etwas, nicht dafür, weil das Dagegensein im Netz viel leichter ist, als sich positiv für etwas einzusetzen, beobachtet Sascha Lobo . Und genau dagegen müsse man jetzt ganz dringend etwas unternehmen.

    *
    *
    P.S. gefällt das. (Aus denselben obigen Gründen pseudonymisiere ich auch diesen User. Er war auch mal Minister im next Kabinett, hat immer gerne gekocht und ist mit N.N. familiär verbandelt.)

    *

    N.N. gefällt vor allem diese Passage: „Das Netz hat sich zu einer dauerstampfenden Empörungsmaschine entwickelt, Neinsagen ist sexy, Neinschreien noch sexier. Positiv scheinendes Engagement muss unter Ironieverdacht gestellt werden, ‚Und alle so: Yeaahh!‘.“

    o

    Germanys Next Bundeskabinett : Ach N.N., was ist nur mit Dir los? Ernsthaft gefragt.

    o

    Germanys Next Bundeskabinett : Sascha Lobos Forderung nach einer „konstruktiv-kritische Bildungselite“ ist doch schon längst am Gären. Wenn man sich mal die Twtterseite der rundum positiven Julia Klöckner anschaut, dann läuft das doch alles in Richtung trockene Tücher … Ich teile Deinen Link auf jeden Fall, weil ich das auch wichtig finde. LG, R.

    o

    Germanys Next Bundeskabinett: Habe dies hier gerade gefunden. „Die Grünen sind bodenständig und in der Kommunalpolitik erfahren.“ klingt doch irgendwie beruhigend. http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/raetselraten-um-die-posten/

    o

    P.S.: Für schwäbische Grüne gilt das sicher – aber alle Schwaben sind so :-). Ansonsten gruselts mich in programmatischer und ästhetischer Hinsicht vor den Grünen.

    o

    Germanys Next Bundeskabinett: Keine Sorge lieber P.S., wir beobachten die G-People nicht weniger als die C-People.

    Meine persönliche Ansicht, zur neoliberal-konservativen Wende dieser beiden ehemaligen Kabinettsmitglieder werde ich hier nicht öffentlich äußern. Nur soviel, dass dies wohl sehr viel mit materiellen Existenzängsten zu tun zu haben scheint. Persönlich-familiär weiß ich selbst nur zu genau, wohin materielle Existenzängste führen können. Das Spektrum dafür ist sehr weit.
    Bei indes ästhetischen Gründen für den Grusel vor den Grünen bin ich mit meinem Latein am Ende. Prgrammatischer Grusel scheint in der Angst vor einer grünen Diktatur zu liegen.
    Konstruktive grüne Politik zu machen, ist nun mal nicht einfach. Wir wissen ja, wohin grüne Realpolitik führt und sich mit den Nieten in Nadelstreifen aus den Energie-, Rüstungs-, Auto- und sonstigen Branchen anzulegen, erfordert eine körperliche, geistige und seelische Unverwundbarkeit Siegfried’scher Dimension. Wer kann dies schon aufbieten und dabei noch ästhetisch wirken?

    Da mag ich auch gar nichts mehr kommentieren, denn die Antianti-Emotionen scheinen mir da gegenwärtig unüberwindlich zu sein. Auf den komplexen Zusammenhang zwischen Wut und Angst sowie Angst und Depression weise ich nur nebenbei hin.

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