…kleine, freche, tote Biene Maja!

Und wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo der nächste GAU daher. Jetzt wurden die Ergebnisse einer Langzeitstudie über das dramatische Bienensterben veröffentlicht, eine Meldung dazu hier. Warum dramatisch? Auf Honig könnte man ja verzichten, nur dummerweise sind jede Menge Nutzpflanzen vom Bienenfleiss abhängig. Andere Spezies sind meist weniger zahlreich und/oder auf bestimmte Pflanzen spezialisiert bzw. umgekehrt.  Und bis sich die betroffenen Nutzpflanzen auf andere Bestäuber eingestellt haben, dauert es ein Weilchen, so schnell schiesst die Evolution auch wieder nicht. Fakt ist, die Bienen auf der Nordhalbkugel und insbesondere Europa sterben wie die Fliegen. Wortwörtlich, denn auch die eigentlich winterfesten Bienen gehen hauptsächlich in der kalten Jahreszeit drauf. Die tolle Langzeitstudie hat ja auch einen Hauptverdächtigen parat, einen fiesen Milbenparasiten. Was zumindestens in dem o.g. Artikel nicht steht: Der ist schon seit einer Ewigkeit bekannt und eine offizielle Seuche, gegen die noch kein Kraut gewachsen ist. Die Wissenschaft hatte Lösungen parat, nur leider eher Endlösungen. Ein Ex-Hobbyimker hat mir erzählt, dass er vor gut 20 Jahren von der Polizei gezwungen wurde, seine Stöcke mit Lindan zu besprühen. Diese Unheilmittel googelt ihr jetzt mal selbst, mich gruselt zu sehr. Der Dreck war gegen die Milbe relativ wirksam, die Nebenwirkungen wurden hübsch unter den Teppich gekehrt. Soll heissen, auch die Bienen gingen drauf, nur eben nicht so schnell und massenhaft, die relative Menge macht das Gift. Natürlich auch im Honig, Lindan war noch bis 2007 ein offiziell zugelassenes Insektizid. Dass das grosse Bienensterben kurz danach begonnen hat, sah man in Pharmakreisen als gutes Argument für das kleinere Übel. Und obwohl es ein halbes Dutzend Theorien gibt, wurde jetzt wieder die Milbe als Mörder favourisiert. Die ist ja auch ein Problem, aber wahrscheinlich so alt wie die Biene selbst, 100 Millionen Jahre. Moment, es muss natürlich Honigbiene heissen, genauer gesagt die westliche. Die wurde seit der Antike domestiziert, sofern das bei einem Insekt möglich ist. Sprich, man bietet ihr ein hübsches Häuschen an. Soweit, so gut, dadurch hat sich evtl. ihr Bestand etwas vergrössert, aber nicht wesentlich. Das Nahrungsangebot hat sich durch die wachsende Landwirtschaft auch eher verschoben als vergrössert. Wenn die Blüten der nun dominanten Pflanzen nicht schmeckten, wechselten die Bienen den Standort. Soll heissen, die Honigbiene blieb immer halbwild, ihr Bestand hat sich relativ natürlich reguliert, extreme Sprünge in der Population waren wenn eher klimabedingt, was natürlich auch Seuchen auslösen kann. Doch selbst im nasskalten Mittelalter betraf das eher Pflanzen und auch eher solche, die gar nicht auf dem Speiseplan der Bienen standen, siehe „Mutterkorn“. Pilze befielen wenn auch eher Früchte, welche den Bienen aber schnurz sind. Kurz, Maja lebte frei und boxte sich immer wieder durch, 100 Millionen Jahre lang war sie nie wirklich bedroht. Bis die selbe Sorte Idioten, die uns das Atom beschert haben, es mal wieder besser wusste als Mutter Natur. Bienenarten wurden interkontinental zwangsumgesiedelt, gekreuzt und quer gezüchtet. Das hat die Gesamtpopulation (Merke: Je höher die Besiedelungsdichte, desto eher und schneller verbreiten sich Krankheiten!) wieder nicht massgeblich beinflusst, wohl aber die Biene als solche, man erinnere sich nur an die sog. Killerbiene. Selektiert wurde primär immer bezüglich Sammelleistung, die Nebenwirkungen eines genetischen Drills werden meist erst später erkannt. Logisch, man weiss ja auch nicht, worauf man achten muss. Also besteht eine nicht ganz geringe Wahrscheinlichkeit, dass der Mensch „versehentlich“ die Resistenz bzw. Abwehrmechanismen gegen die Milbe weggezüchtet hat. Der Witz ist ja, dass die Biene im Prinzip nur sich und ihre Behausung besser sauberhalten muss. Hat die westliche Honigbiene vor lauter angezüchteter Sammelleidenschaft ihren Putzreflex vergessen? Wie ein menschlicher Workoholic, der nicht mehr auf seine Hygiene achtet? Durchaus möglich, da Bienen einfach strukturierte Gehirne haben, da kann ein überdominantes Verhaltensmuster andere „vedrängen“. Jetzt kann man die Bienen mit einer Art Juckpulver zum Putzen animieren, doch der Effekt ist eher marginal. Ergo muss mindestens eine der anderen vermuteten Ursachen der eigentliche Schlüssel sein. Tusch, vier davon sind vom Menschen gemacht und nur sehr schwer wieder aus der Welt zu schaffen. Es wird also wieder auf eine Behandlung der Symptome hinauslaufen, was wieder Nebenwirkungen bedeutet. Wenn man das Problem gar nicht in den Griff kriegt und die Honigbiene ganz ausstirbt, wird es vielleicht keinen Super-GAU geben. Aber unser Frühstückstisch wird um einiges ärmer sein, zumindestens von den meisten Obstsorten können wir uns verabschieden, die lassen sich nicht künstlich bestäuben, jedenfalls nicht massenhaft. Ironie der Geschichte: Die Vertreibung aus dem Paradies wird dann keiner mehr verstehen, weil niemand mehr weiss, was Eva Adam da in die Hand gedrückt hat… „Oma, was ist ein Apfel?“ „Ich glaube, das waren Kartoffeln, die an Bäumen wuchsen!“. Was bleibt, sind die Klamotten, die Feige wird nämlich von einer Wespe befruchtet…

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Über twixraider

Raider heißt jetzt Twix… sonst ändert sich nix, ich suche immer noch einen Job als Scherzkeks.
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Eine Antwort zu …kleine, freche, tote Biene Maja!

  1. nextkabinett schreibt:

    Reblogged this on Blog des Germanys next Bundeskabinetts und kommentierte:
    Nach wie vor hochaktuell … Danke, bester Twix Raider …

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