Nehmen sie Haltung an, Mensch!

In unseren Breiten nennt man diese Pose „das in die Luft geschissene Fragezeichen“. Nicht unbedingt das beste Bewerbungsfoto für den Posten des beinahe obersten Feldherrn, schon gar nicht bei den Referenzen. Denn Frank-Jürgen Weise versteht ja sowohl das Kriegshandwerk als auch das Wirtschaften, seine Vita findet sich hier. Den Witz über fallschirmspringende Minister verkneif ich mir jetzt, auf jeden Fall scheint mir Weise als Kandidat um Lichtjahre qualifizierter als Karl-Theodor selig. Scheint, denn in seinem aktuellen Job als Leiter der Bundesagentur für Arbeit vereint er das Schlechteste beider Welten. Seht, ich gebe euch Gleichnis: Ein Offizier löst Probleme mit dem Befehl „Feuer!“, was im Krieg ja das Mittel der Wahl ist, andernfalls schiesst der Gegner zuerst, unblutige Alternativen stehen selten zur Debatte. Ist der Gegner besiegt, folgt logischerweise der Befehl „Feuer einstellen!“. Danach wird höchsten noch auf Kriegsverbrecher geschossen, was aber in den meisten westlichen Zivilisationen auch aus der Mode gekommen ist, Stichwort „Genfer Konventionen„. Ob und wie sich daran gehalten wird, ist eine andere Geschichte. Solche Verhaltensregeln gibt es in der Wirtschaft nicht, auch keinen Ehrenkodex. Wer schon mal in einer Firma gearbeitet hat, die mehr oder weniger freundlich übernommen wurde, weiss, wovon ich spreche. Nach dem Sieg wird zu allererst ein sogenannter Controller eingesetzt. Und der kennt nur den Befehl „Feuer!“. Egal, ob die Firma nun absichtlich kaputtgewirtschaftet, abgewickelt und abgeschrieben werden soll oder nicht, es wird gefeuert. Nicht selten sogar verdiente Mitarbeiter in relativ hohen Positionen, es geht um die Symbolwirkung der Botschaft „Jeder ist jederzeit ersetzbar!“. In der Sprache der Strategen und Taktiker nennt man das die Willkür der Sieger, einem echten Krieg folgt ein falscher Friede, bis auf Weiteres herrscht der Ausnahmezustand. Eine Versöhnung oder gar Freundschaft beider Parteien wird nicht angestrebt, es regieren Angst und Schrecken. Nun, Frank-Jürgen Weise ist einer dieser Controller und in seiner derzeitigen Position ein Doppelbock als Gärtner. Die Bundesagentur für Arbeit soll ja eigentlich zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vermitteln und Konzepte für ein friedliches, fruchtbares Miteinander entwickeln, dazu muss man neutral sein. Hartz IV und die ganzen Massnahmen hingegen sprechen eine andere Sprache, nämlich „Halt’s Maul, Arbeitsgemüse!“. Völlig pervers wird die Sache, wenn man die von Weise ausgearbeitete Reform der Bundeswehr etwas genauer betrachtet, da werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Eine Berufsarmee klingt fair, hat aber ein Problem. Denn wer seine Murmeln beieinander hat, wird sicher nicht zu einer Firma gehen, in der das Betriebsklima von Haus aus sehr rauh ist und bei der die  Berufskrankheitsdiagnose entweder „Posttraumatische Belastungsstörung“ oder „Tod“ lautet. Ruhm gibt es nicht mehr zu verdienen und Beute steht auch nicht in Aussicht, also wozu Landsknecht werden? Woher sollen also all die Freiwilligen kommen? Nirgendwoher, man nimmt einfach die Verlierer der Wirtschaft in die vaterländische Pflicht. Wenn Arbeits-Weise jetzt Verteidigungsminister werden sollte, dann wird er seine sozialpolitische Missgeburt natürlich mit allen Mitteln durchboxen und der Kreis der Hölle schliesst sich. Oder wie der spätrömische Neoliberalissimo Westerwellus sagt:

Si vis proficuum, para bellum, dulce et decorum est pro patria labori!

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Über twixraider

Raider heißt jetzt Twix… sonst ändert sich nix, ich suche immer noch einen Job als Scherzkeks.
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2 Antworten zu Nehmen sie Haltung an, Mensch!

  1. Nicht im Bild, das Erschießungskommando. Ein Sieg der Zivielgesellschaft: Jetzt wird die Wand tapeziert, an die man gestellt wird.

    • twixraider schreibt:

      …und die Tapete passt wie die Faust auf’s Auge, denn Blicke durch das Objektiv einer Kamera töten vielleicht langsamer, aber ebenso zuverlässig wie ein Gewehr. Nur wird dieser Herr den Schützen nicht auch noch so scharfe Munition in die Hand drücken wie der Gutti…

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