Crash Protest Dummies

Während die Menschen in Nordafrika und im Nahen Osten gerade versuchen, ihre Feudalherrscher abzschüttlen, kann man über die Protestkultur in Grosseuropa nur den Kopf schütteln. Eine (dpa) Schlagzeile heute: „Sexy Protest in Kiew„. Nun sind nackte Tatsachen ein traditionelles Mittel zum Zweck der Erlangung maximaler Aufmerksamkeit, doch der ist nur in einem angemessenen Kontext heilig bzw. sinnvoll. Z.B. im Kampf gegen die Perversion des Pelztragens oder wenn es um das letzte Steuerhemd geht. FEMEN hat ursprünglich gegen den Sextourismus demonstriert, wobei der Zielgruppe die blanke Ironie wohl eher entgangen sein dürfte. Die „Argumente“ der Femen bleiben immer die gleichen, die Themen gehen nie aus, dafür aber den Bach der Relevanz runter. Der gestrige Stein der Anstössigkeit war ja die Verordnung der Stadt Kiew, ihre Bürger möchten doch gefälligst nicht in Unterwäsche auf den Balkonen herumturnen. Eigentlich ganz vernünftig, ich möchte meine Nachbarn auch nicht im Feinripp sehen, egal ob jung oder alt, Mann oder Frau, hübsch oder hässlich. Gut, die Formulierung der Begründung der Stadtverwaltung war ziemlich gaga und Schwachsinn lässt sich auch mit Unsinn bekämpfen, aber den sehe ich nicht.

Mich erinnert das Ganze eher bzw. sehr an das legendär lächerliche Augsburger Protestpicknick gegen das Dönerverbot. Zuerst fand ich die Idee des radikalen Anti-Aktionismus gut und steuerte diverse ad Absurdum-Slogans bei, als Hit stellte sich nebenstehender heraus. Doch bald stellte sich auch heraus, dass die Demonstranten das Thema genauso bierernst nahmen wie die Urheber des Verbots. Es ging ihnen nicht darum, den wild galloppierenden Amtsschimmels als Esel zu enttarnen, sie fühlten sich tatsächlich in ihrer persönlichen Fressfreiheit beschränkt. Zu spät, da war meine hohle Phrase schon in aller Munde von ebenso hohlen Köpfen und leitete eine virale Kettenreaktion ein. Ich fühlte mich wie Oppenheimer, die Neuronebombe wollte ich nicht! Aber ach, der Vergeltungsschlag wurde gnadenlos durchgeführt, obwohl sich sogar die Jubelperser von ON3-Südwild die Mäuler über diesen Flesh Mob zerrissen haben, nachdem sich neben vielen anderen Trittbrettfahrern auch die Junge Union an Bord des Zugs nach Schilda geschmuggelt hat. Nicht einmal da ging den Döneranten das Licht auf, dass sie nur nützliche Idioten der lokalen Gastro-Mafia waren, die unser Provinzkaff nach Gusto regiert. Dass ich mich da mit eingereiht habe, wird üble Konsequenzen für mein Karma haben, nächste geschätzte Reinkarnation: Bandwurm. Oder Kanzlerin

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Über twixraider

Raider heißt jetzt Twix… sonst ändert sich nix, ich suche immer noch einen Job als Scherzkeks.
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2 Antworten zu Crash Protest Dummies

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