Post scriptum, post festum, post mortem?

Mit der Post hatte ich dieses Jahr (2010)  ja eigentlich schon genug Verdruss. Dabei dachte ich mir, ich tue dem darbenden Riesen einen Gefallen, wenn ich mein altes Hobby und die schöne Kultur des Kartenschreibens wiederbelebe. Der wurde mir übel vergolten, ca. 30% der schriftlichen Grüsse und Gegengrüsse hat sich in die heisse Luft aufgelöst, welche Frank „Yellowman“ Appel & Co. auf den Aktionärsversammlungen so gerne und reichlich von sich geben. Gut, auf Postkarten gibt es keine Garantie und der „Schwund“ hat sich auch wieder auf ein normales Maß reduziert, aber ärgerlich ist es trotzdem. Böse Zungen behaupten, bei Sendungen ohne Vermerk des Abs. gäbe es eine Verlustorder von 10%, um Sprit zu sparen, nach Marburg kommen Postkarten ggf. angeblich auch nicht mehr. Sicher hingegen ist, das auf das Personal nicht unbedingt Verlass ist. Natürlich waren die Beamten der Vergangenheit entsetzliche Bürokraten, konnten aber ihren Job. Heute beschäftigt man lieber Mindesttagelöhner, die kaum geschult auf die Menschheit losgelassen werden. Und Erfahrung lässt sich mit den inzwischen üblichen Zeitverträgen kaum sammeln. Arbeitsmoral oder Berufsehre kann man da nicht erwarten, siehe auch den vorangegangenen Eintrag.

Je nun, zur Weihnacht kommt man um die gelbe Gefahr nicht herum. Also geht man auf Nummer sicher und leistet sich statt einem Päckchen ein Paket, da kann man im Internet immer sehen, wo sich dieses gerade befindet. Gesagt, vertan, denn die handschriftliche Adresse war leider etwas unableserlich, aus 7 wurde auf dem Adressaufkleber 4. Was ich zu Hause gemerkt habe und kein Problem ist, wozu gibt es denn die Sendungsverfolgung. Also Internet an und… keine Sendung unter dieser Nummer? Sie war doch schon Mittags im LKW, also warum nicht im System? Also munter gewartet… und gewartet… und gewartet. Aus meiner Zeit bei der Post wusste ich, dass die Sendung schon längst im Frachtzentrum kursiert und mehrere Scanner passiert hat. Nix da, erst um 18:45 ergab die Sendungsnummer einen Treffer:

22.12.10 11:45 Uhr: Die Sendung wurde vom Absender in der Filiale eingeliefert.

22.12.10 17:26 Uhr: Die Sendung wurde im Start-Paketzentrum bearbeitet.

Nachrichten aus der Vergangenheit? Egal, schnell eine höfliche Mail an die zuständige Kontaktadresse mit der Bitte, die Sendung zur der korrekten Hausnummer umzuleiten. Und da doppelt genäht besser hält, hat der Empfänger eine ähnliche Mail geschrieben. Denkste:

22.12.10 23:06 Uhr: Die Sendung wurde im Ziel-Paketzentrum bearbeitet.

23.12.10 01:22 Uhr: Die Sendung wurde im Ziel-Paketzentrum bearbeitet.

23.12.10 07:29 Uhr: Die Sendung wurde in das Zustellfahrzeug geladen.

23.12.10 10:23 Uhr: Der Empfänger ist unbekannt.

Nächster Schritt: Die Sendung wird an den Absender zurückgesandt.

Was zum… ? Dass die Zusteller ihre Viertel bzw. Kundschaft nicht mehr kennen, wusste ich ja schon. Dafür gibt es ja Na(i)vis und die Scanner und die Post von Behörden findet ja auch jeden. Dazu muss das Service-Personal keine Mails lesen… hat es nun oder nicht? Und wenn die korrekte Hausnummer an den Scanner übermittelt wurde, liegt es an der Dumm- oder Faulheit des Zustellers? Oder hat der einfach die Hausorder befolgt, keine Gelegenheit für doppeltes Porto ungenutzt verstreichen zu lassen? Wieder eine Mail an den Service, inklusive einer Kopie des Originals und einer gesalzenen Prise Pfeffer. Keine Antwort. Dann eben abends die kostenpflichtige Hotline anrufen, vielleicht lässt sich ja so das Paket noch aufhalten und umleiten, die Post arbeitet ja rund um die Uhr. Für 0,42 € erfuhr ich, dass momentan alle Leitungen besetzt sind und flog aus der selben. HALLO? Etwas gewartet und ein neuer Versuch… 5 Minuten bzw 2,10 € später habe ich mich selbst aus der Warteschleife geworfen. Die ultima Ratio? Nachforschungsaufträge werden erst nach 6 Tagen akzeptiert. Die gibt es auch nur noch online zum Ausdrucken, der Postshop kann gar nichts unternehmen. Dort bekam ich heute immerhin eine KOSTENLOSE Servicenummer. D.h., nicht ganz, denn man muss zuerst mit einem Roboter einen Rückruftermin  vereinbaren. Ich wählte als Zeitpunkt „sofort“… welches jetzt schon 4 Stunden dauert, jetzt muss ich das Telefon ständig an und in Reichweite haben, vielleicht sogar 24/7! Fazit: Für nicht mal 10 € habe ich jetzt zwar kein Paket, dafür aber eine wunderhübsche neue Haarfarbe. Zumindestens an den Stellen, an denen ich mir den Kopfbewuchs noch nicht ausgerissen habe…

Update: Nach 12 Stunden immer noch kein Rückruf… jetzt habe ich mir das Nachforschungsformular als interaktives PDF runtergeladen, das man auch per Mail an die entsprechende Abteilung schicken kann… theoretisch! Denn beim Senden oder Speichern kommt eine Fehlermeldung, dass man dazu Acrobat Reader 6 braucht… den ich ja habe! Ich habe es zwar geschafft, anderweitig lesbare Dateien zu generieren und diese auch zu übermitteln, trotzdem hier meine neue Adresse zwecks Nachsendeauftrag:

Irrenhaus

Hochsicherheitstrakt

Gummizelle Nr. 7

Update2: Heute kam folgende Mail:

Sehr geehrter Herr XXX,
vielen Dank für Ihre E-Mail.
Die Sendung mit der Sendungsnummer ************** konnte am 23.12.2010 nicht zugestellt werden.
Der Grund hierfür: Der Empfänger ist unbekannt
Die Sendung befindet sich auf dem Rücktransportweg zum Absender.
Für die verspätete Antwort bitten wir um Entschuldigung.
Sollten Sie noch Fragen haben, senden Sie uns einfach eine E-Mail. Bitte belassen Sie zur besseren Zuordnung Ihrer Anfrage den bisherigen Schriftverkehr in der Mail. Herzlichen Dank!
Unsere Kundenberater stehen Ihnen aber auch unter der unten aufgeführten Serviceline gern zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen

XXX XXX
Kundenservice
DHL Vertriebs GmbH & Co. OHG
Eiffestr. 78
20537 Hamburg
Deutschland
Telefon (0 180 5) 3 45 22 55*
Kundenservice.de@dhl.com
www.dhl.de
* 0,14 Euro pro angefangene Minute aus den deutschen Festnetzen; höchstens 0,42 Euro pro angefangene Minute aus den deutschen Mobilfunknetzen.

Ich habe relativ höflich, aber sehr bestimmt geantwortet. Und jetzt werde ich diese Mail auf vierlagigem Papier ausdrucken, ich verspüre ein menschliches Bedürfnis…

Update3: Heute kam das Paket endlich zurück. Zwar voll mit kryptischen Aufklebern, aber ansonsten unversehrt… auf ein Neues, aber sicher ein Anderes, die Post hat mich als Paketkunden gesehen! Ach ja, Gestern bin mit einer kleineren Sendung am blöden Franchise-Modell gescheitert. Ich hatte wieder mal vergessen, das die Postshops keine vorgeschriebenen Öffnungszeiten haben, der unsrige hat Mittags zu und am Dienstag auch am Nachmittag. Der nächste ist ca. 2,5 Kilometer entfernt (offizielle Filiale ca. 5), ohne Auto und bei der aktuellen Witterung eher unattraktiv…

Update4: Heute (18.01., also mehr als 10 Tage nach dem Paket) kam ein grösserer Umschlag, hochoffiziell DHL. Darin lag ein Entschuldigungsmaschinenschreiben und – Trommelwirbel! – eine vorfrankierte Paketkarte! Hassmails funktionieren also doch. Zum Orgasmus langt es aber trotzdem nicht, es hätten ruhig drei Paketkarten oder besser noch deren Gegenwert (20,70 €) in Briefmarken sein können. 1. habe ich momentan nichts zu verschicken (das Original-Paket hat netterweise ein Bekannter transportiert) was ich 2. auch nicht mehr unbedingt mit der DHL machen möchte und 3. entspricht der geschenkte Gaul nur dem im Porto enthaltenen Profit und 4. habe ich ja noch 2,52 € für die Hotline bzw. nichts und wieder nichts ausgegeben… wenn der Herr Karl vorbeikommt, soll er mir das mal nachrechnen. Nach meiner Definition bin ich jetzt nämlich nicht auf 0, sondern hab nur keinen weiteren Verlust gemacht.

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Über twixraider

Raider heißt jetzt Twix… sonst ändert sich nix, ich suche immer noch einen Job als Scherzkeks.
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