Die stellungssuchende Relativitätstheorie

Heute war eine Absage bezüglich einer schriftlichen Jobbewerbung in meiner Mailbox. Nix ungewöhnliches? Doch, und wenn nicht, umso schlimmer. Was bisher geschah:
Ende Juli dieses Jahres sprang mir beim Studium der Stellenanzeigen eine besonders ins Auge, der Wortlaut war ungefähr folgender: „Labor XYZ sucht (Hilfs)Kraft für leichte, aber präzise Dosiertätigkeit. Bewerbungen an…“. Etwas einsilbig, aber egal, Präzision ist mein 2.Vorname, also schnell eine Bewerbung abgeschickt. Ganz modern per Mail, natürlich mit Hinweis, dass bei Bedarf eine Papierversion folgt.
Nach dem Verstreichen der üblichen Bearbeitungsfrist von einer Woche immer noch keine Eingangsbestätigung, also telefonisch nachgehakt. Ich hatte ohnehin noch ein paar Fragen, welche das Studium der Internetpräsenz erst aufgeworfen hat, Stichwort „Gefahrenstoffe“. Aber immer schön eins nach dem anderen. Ja, die Bewerbung ist eingegangen, konnte aber noch nicht bearbeitet werden. Es dauert auch noch eine Weile, aber es wird umgehend Bescheid gegeben. Nein, konkrete Informationen über die Konditionen (Voll- oder Teilzeit, von wann bis wann, zu welchem Stundenlohn ect. pp.?) kann nur die Personalchefin geben, die ist aber beschäftigt. Na gut, warten wir eben noch ein Weilchen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit von knapp 4 Wochen habe ich mich doch erdreistet, ein weiteres Mal die Initiative zu ergreifen. Ja, die Bewerbung ist immer noch im Rennen, aber es werden auch immer noch welche gesammelt (Kurze Verwunderung meinerseits, erwarten die auf eine Anzeige in der Grösse und mit dem Informationsgehalt einer Sonderbriefmarke einen Nobelpreisträger?), das kann auch noch dauern… aber es wird umgehend Bescheid gegeben!
Zeit ist relativ, nach 2 Monaten dachte ich mir umgehend, dass es das wohl gewesen ist, jegliche Liebesmüh wäre hier vergeblich. Was sich Heute bestätigt hat, die Form wurde gewahrt. Was soll ich sagen? ZUM TEUFEL MIT DER FORM!!! Was in Ludwig Ehrhards Namen ist das für eine Personal/Informationspolitik?
Drehen wir den Spiess doch mal theoretisch um. Angenommen, es gäbe eine Ausschreibung mit folgendem Wortlaut: „Auftrag für die Herstellung/Lieferung einer Salzverbindung zu vergeben, Bewerbung an…“. Bei schlechter Auftragslage würde Labor XYZ wohl auch sein Firmenprofil einreichen. Aber noch kein Angebot, dazu fehlen ja die Informationen. Tatsächlich gibt es halböffentliche Ausschreibungen, bei denen Details erst nach Rücksprache bekanntgegeben wird. Aber wenn Labor XYZ auf die Frage „Welche Salzverbindung, welche Menge, bis wann muss geliefert werden und wie lange läuft die Ausschreibung?“ keine konkrete Auskunft bekommen würde, gäbe es wohl keine zweite Rücksprache. Und wenn doch und das Spiel wiederholt sich, würde der Kundenbetreuer diese Ausschreibung unter „U“ wie „Unprofessionell“ bzw. „Unseriös“ abheften. Oder gleich unter „L“ wie „Leck mich am Arsch!“. Und wenn dann nach über 5 Monaten eine Absage kommt, ging die Sache an den Rechtsanwalt, das ist nämlich grober Unfug. So sieht’s aus! Was lernen wir daraus?
Zuerst natürlich, dass Höflichkeit ein Verfallsdatum hat. Und dann natürlich, dass selbst mittelständische Arbeitgeber keinerlei Respekt mehr vor Arbeitnehmern haben. Es wird nicht gemeinsam am Strang des Wohlstands gezogen, die Unternehmer sitzen grinsend am längeren Hebel. Bis das Volk sie damit erschlägt…

Update: Eben habe ich von einer Frau gehört, die erst nach einem ganzen Jahr zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wurde. Ich kenne keine Details, aber es handelte sich wohl um einen realtiv hochqualifizierten Job, den die Frau schlussendlich auch bekam. Erstaunlicherweise obwohl sie nicht wie gewünscht sofort anfangen konnte… das ist dann die nächste Stufe der Unverschämtheit, ein Mensch ist doch kein Tiefkühlgericht.

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Über twixraider

Raider heißt jetzt Twix… sonst ändert sich nix, ich suche immer noch einen Job als Scherzkeks.
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