Windows Wolke 7

Ich war bisher der Meinung, dass es ein Gesetz gegen offensichtlich irreführende Werbung gibt, wovon die Hausierer von Microsoft aber anscheinend noch nie etwas gehört haben:

Aha, Lieschen Müller führt eben mal eine komplexe Bildretusche aus, an der sich sogar Fachleute zuweilen die Zähne ausbeissen, welche bekanntlich in einem eigenen Blog-Genre wieder eingesammelt werden, besser bekannt als Photoshop Disasters. Ich habe mir eine gewisse Fertigkeit für Retuschen bzw. Montagen angeeignet, mit copy & paste ist es da nicht getan, auch wenn wie in diesem Fall eine ganze Serie von ähnlichen, professionellen Fotos zur Verfügung steht. Selbst das Austauschen eines Kopfes ist viel Präzisonsarbeit, einfach – wie im Spot gezeigt bzw. angedeutet – den gleichen, rechteckigen Bildausschnitt verwenden sieht aus wie eine Collage, irgendwo sieht man immer die Ränder. Die kann man natürlich überblenden, aber stimmen dann noch Position, Schattenwurf ect. pp.? In der Realität muss man zuerst eine Vorauswahl an geeigneten Köpfen treffen und diese sorgfältig aus dem Hintergrund herausschneiden. Dann ersetzt man im Bild mit dem passenden Körper den falschen Kopf mit dem Bildhintergrund. Hat man Kopf und Körper zusammengefummelt, ist noch jede Menge Feinschliff nötig. Eine interessante, aber schon bei einer Person schwere Arbeit. Hier wurden jetzt angeblich 5 (!) Personen zurechtmanipuliert, die sich auf den Fotos auch noch teilweise verdecken. „Ratzfatz“ ist also relativ, ein routinierter Pixelschubser müsste mit Profi-Hard- und Software für diesen Spezialeffekt immer noch einen ganzen Arbeitstag investieren, um das im Spot gezeigte Endergebnis zu erreichen. Welches auch viel Arbeit repräsentiert, aber die eines Fotografen. Alles Schwindel, und ein blödsinniger dazu. Denn wieso sollte man ein Foto fälschen, wenn man auch einfach so lange auf den (Selbst)Auslöser drücken kann, bis man ein gutes hat? Und geht es bei Familienfotos nicht um Authentizität? Genügt es nicht schon, wenn man in den Medien nicht mehr glauben kann, was man sieht? Und ganz abgesehen davon hat diese irreführende Werbung noch einen schädlichen Nebeneffekt. Wenn man als Fachmann einen Fotojob für einen Laien erledigen soll, liefert der alles, nur kein brauchbares Rohmaterial. Und bittet man darum, heisst es nur: „Warum? Sie müssen doch nur auf ein paar Knöpfe drücken, wofür bezahle ich sie denn? Wie, so lange dauert das? Das bezahle ich nicht, wir haben ein Pauschalhonorar vereinbart!“. In Bildern gesprochen: Hat man früher aus Stroh Gold gesponnen, kriegt man heute nur noch Mist. Und keine Wertschätzung, der Computer macht ja die Hauptarbeit. Höchste Zeit für eine Sachgeschichte

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Über twixraider

Raider heißt jetzt Twix… sonst ändert sich nix, ich suche immer noch einen Job als Scherzkeks.
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3 Antworten zu Windows Wolke 7

  1. kreadiv schreibt:

    … und ich dachte schon, ich stell‘ mich dusselig an bei Photoshop, aber qualitativ hochwertige Bastelergebnisse erzielt man wohl nur durch intensives Arbeiten (oder eine gute Unterweisung 😉 ).
    „Von Wolke 7“ lässt man dann wohl lieber die Finger!

    🙂

  2. twixraider schreibt:

    Also Photoshop via Hilfemenü auf eigene Faust zu lernen ist nahezu unmöglich, daran verzweifeln selbst heavy User, das spuckt nie die gewünschte Information aus. Grundsätzlich gilt für jedes Bildbearbeitungsprogramm, Fachbücher mit Demo-CDs sind zum Lernen und Üben ideal, aber eben auch so zahlreich wie teuer. Eine Alternative sind die unzähligen Tutorials im Web, aber die sind meist sehr speziell bzw. für Fortgeschrittene. Seinerzeit hatte ich kein Internet, dafür natürlich analoge Vorkenntnisse. Was das Photofeature der Cloud wirklich kann, weiss ich nicht, ist wohl so eine Art stark abgespeckter Photoshop mit Presets für die Entfernung roter Augen ect.. Aber idiotensicher ist das sicher nicht, es kommt immer noch auf den User an, der Spot ist Humbug!

  3. Pingback: Alle Räder stehen still… |

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